CCTA als zentrales prognostisches Werkzeug?
Mit moderner Kardio-CT lässt sich das Herzrisiko präziser vorhersagen. Sie verspricht bessere Plaquequantifizierung und Zusatzinfos über Anatomie und Funktion. Laut Expertenmeinung könnte sie zu einem Paradigmenwechsel in der Diagnostik führen.
Mithilfe klassischer Tools wie dem ASCVD*-Score lässt sich das kardiovaskuläre Risiko valide abschätzen. Doch berücksichtigt man zusätzlich den Koronarkalk, erhöht das die Aussagekraft deutlich, erklärte Prof. Dr. Michaela Hell vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz. Der mittels CT bestimmte Kalkscore (coronary artery calcium, CAC) ist inzwischen als Hochrisikomerkmal für die Mortalität bekannt.
Auch bei bestehender KHK hilft der CAC als Prognosemarker. Werte über 300 gelten als unabhängiger Prädiktor für die Sterblichkeit jeglicher Ursache. „Wir können über den Calciumscore die Intensität der sekundärpräventiven Therapie besser steuern als über den Grad der Reststenose oder die Zahl befallener Segmente“, sagte die Kollegin.
Die CCTA (Computertomografie-Koronarangiografie) liefert zudem diverse prognoserelevante Plaquemerkmale. In einer Metaanalyse waren fettreiche Plaques und das Gesamtplaquevolumen am häufigsten mit schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen assoziiert. Positives Remodeling, Serviettenringzeichen und punktförmige Verkalkungen in einer Plaque zählen zu weiteren Hochrisikozeichen.
In der SCOT-HEART-Studie wurden 4.146 Personen mit anginaverdächtigen Beschwerden entweder klassisch oder zusätzlich mit CCTA untersucht. In der CT-Gruppe fand sich eine höhere Rate an verordneten präventiven Maßnahmen. Das schlug sich nach zehn Jahren in einer signifikant verringerten Zahl von KHK-Todesfällen und nicht-tödlichen Herzinfarkten nieder (Hazard Ratio, HR, 0,79).
Eine initiale CCTA senkt in erster Linie bei Menschen mit einer eher niedrigen klinischen Wahrscheinlichkeit (5–15 %) das Dreijahresrisiko für Infarkt oder Tod, alle anderen Gruppen profitieren nicht davon. „Die CT verschiebt die Diagnostik nach vorne – dahin, wo Prävention wirklich wirkt“, unterstrich die Kardiologin. Ihrer Aussage nach findet damit auch ein Paradigmenwechsel statt: weg von der Fokussierung auf Stenosen hin zur Betrachtung der Atherosklerose als chronischer Erkrankung.
„Die CCTA wird zum zentralen prognostischen Werkzeug der Kardiologie, wenn nicht gar zum prognostischen Heilsbringer“, so Prof. Hell. Als Gamechanger in den kommenden Jahren betrachtete sie das Photonen-CT sowie den (ergänzenden) Einsatz künstlicher Intelligenz. KI erlaube es, individuelle Ereigniswahrscheinlichkeiten statt grober Risikoklassen zu erstellen.
*Atherosclerotic Cardiovascular Disease