Herzglykoside bei Herzinsuffizienz

Absetzen von Digoxin erhöht Hospitalisierungsgefahr

Aus der Fachliteratur
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Der Wirkstoff Digoxin ist eine wichtige Säule in der Therapie der Herzinsuffizienz. Das Medikament wird im Alltag jedoch oft abgesetzt.

Wird eine jahrelange niedrig dosierte Digoxintherapie beendet, steigt das Risiko für Herzinsuffizienz-Verschlechterungen. Forschende mahnen daher zur Vorsicht.

Herzglykoside sind eine wichtige Säule in der Therapie der Herzinsuffizienz und werden bei 15–20 % der Betroffenen eingesetzt. Die Evidenz zum Nutzen niedrig dosierter Herzglykoside im Kontext einer zeitgemäßen leitliniengerechten Behandlung ist heterogen. Während die Studie DIGIT-HF den therapeutischen Nutzen von Digitoxin bestätigte, zeigte die DECISION-Studie bei weniger fortgeschrittener Herzinsuffizienz keinen signifikanten Vorteil von Digoxin hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse.

DECISION-Studie liefert Daten zum Absetzen der Langzeittherapie

Im klinischen Alltag wird Digoxin wegen Toxizitätsbedenken oder zugunsten anderer Therapien häufig abgesetzt. Ob dieses Vorgehen wirklich sicher ist, blieb bislang unklar. Ein Team um Prof. Dr. Peter van der Meer vom Universitätsklinikum Groningen ging in einer präspezifizierten Analyse der DECISION-Daten daher der Frage nach, ob die Beendigung einer Langzeitbehandlung mit niedrig dosiertem Digoxin (angestrebte Serumkonzentration 0,5–0,9 ng/ml) mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergeht.

An der DECISION-Studie hatten Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und einer Ejektionsfraktion ≤ 50 % teilgenommen, die mediane Behandlungsdauer lag bei 36,5 Monaten. In die aktuelle Analyse bezogen die Forschenden die Daten von 587 Personen ein, die am Studienende noch aktiv behandelt wurden, darunter 288 Personen mit Digoxin und 299 mit Placebo. In jeder Gruppe erfolgte ein verblindeter Absetzversuch mit sechswöchiger Nachbeobachtung.

Herzfrequenz, Blutdruck und NT-proBNP veränderten sich

Während der 100 Tage vor dem Absetzen fielen die Raten für kardiovaskuläre Todesfälle oder eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz in beiden Gruppen ähnlich aus (5,7 vs. 6,5 Ereignisse pro 100 Patientenjahre; Rate Ratio, RR 0,88). Nach dem Absetzen stieg die Ereignisrate in der Digoxin-Gruppe signifikant auf 42,8/100 Patientenjahre, während sie in der Placebogruppe mit 5,9 Ereignissen pro 100 Patientenjahre nahezu unverändert blieb.

Insgesamt traten in der Digoxin-Absetzgruppe 14 Ereignisse auf (12 Hospitalisierungen und 2 dringende Arztbesuche), gegenüber zwei Ereignissen in der Placebogruppe (RR 7,37). Das Absetzen des Herzglykosids führte zudem zu einem signifikanten Anstieg der Herzfrequenz, einem Abfall des systolischen Blutdrucks und einem Anstieg von NT-proBNP. Die Forschenden mahnen daher zur Vorsicht, wenn die Digoxintherapie im Alltag beendet werden soll.

van der Meer P et al. Eur Heart J 2026; doi: 10.1093/eurheartj/ehag385

Alexandra Simbrich

Freie Autorin
Alexandra Simbrich ist als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig. Ihre Themenschwerpunkte: Neurologie und Psychiatrie, Dermatologie, Onkologie und Hämatologie, Schmerzmedizin, Gastroenterologie, Diabetologie sowie Komplementär- und Alternativmedizin.

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