Herzohrstöpsel könnte eine sichere Therapiealternative bei Vorhofflimmern sein
Die orale Antikoagulation ist bei Vorhofflimmern die Therapie der ersten Wahl und reduziert das Risiko für einen kardioembolisch bedingten Schlaganfall um fast 70 %. Auch aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos verzichten Studien zufolge allerdings nicht wenige Patientinnen und Patienten auf diese Behandlung.
Eine alternative Option zum Schutz vor Thromben ist der Verschluss des linken Herzohrs (left atrial appendage, LAA). Diese Intervention ist nach europäischen und US-Leitlinien indiziert, wenn Betroffene mit Vorhofflimmern z. B. eine schwere Blutung aufgrund einer nichtreversiblen Ursache hatten. Für Patientinnen und Patienten mit Adhärenzproblemen gibt es jedoch bislang keine Empfehlungen.
Die OP verlief in beiden Gruppen gleich erfolgreich
Wie eine retrospektive Studie nun zeigt, stellt der LAA-Verschluss im Vergleich zur Einnahme von Antikoagulanzien eine sichere und effektive Therapie dar. Die 2.649 Teilnehmenden unterzogen sich zwischen 2009 und 2022 an vier europäischen Kliniken einem Herzohrverschluss. Bei 119 (4,5 %) von ihnen erfolgte der Eingriff aufgrund ihrer Ablehnung einer indizierten langfristigen oralen Gerinnungshemmung am häufigsten mit direkten oralen Antikoagulanzien. Als Kontrollgruppe dienten 238 Betroffene, bei denen anerkannte klinische Gründe gegen die orale Therapie sprachen. Insgesamt wiesen Erstere ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko auf.
Die Intervention war in beiden Gruppen zu mehr als 95 % erfolgreich, zu Komplikationen kam es etwa gleich häufig. Der primäre Endpunkt, kombiniert aus kardiovaskulärer Mortalität, Schlaganfall oder systemischer Embolie nach einem durchschnittlichen Follow-up von drei Jahren traf auf insgesamt 46 Teilnehmende zu. Darunter waren mit 4,2 % deutlich weniger „Verweigerer“ als Kontrollpersonen (17,2 %). Unter denjenigen, die eine orale Antikoagulation abgelehnt hatten, betrug die jährliche Rate von Thromboembolien 2,3 %, für schwere Blutungen 1,9 %. Im Vergleich zum per Score geschätzten Risiko für diese Ereignisse lag die Reduktion bei 62 % bzw. 47 %.
Die Studie bestätigt die Sicherheit des LAA-Verschlusses bei Personen mit Vorhofflimmern, die eine orale Antikoagulation ablehnen, so das Autorenteam; zu beachten sind jedoch u. a. die geringen Patientenzahlen. Diese Subgruppe kommt demnach für einen LAA-Verschluss infrage – vorausgesetzt, die Betroffenen werden über die Evidenz bzgl. dieser Intervention informiert und erklären sich einverstanden mit einer postoperativen Gerinnungshemmung.
Galea R et al. J Am Heart Assoc 2025; 14: e040404; doi:10.1161/JAHA.124.040404