Mit Sport gegen die Kardiotoxizität bei Chemotherapie?
Kann Training die kardiotoxischen Effekte der Chemotherapie abfedern? Noch fehlen Langzeitstudien zum Thema. Doch es gibt zahlreiche Daten, dass strukturierte Sportprogramme die kardiorespiratorische Fitness von Krebskranken unmittelbar verbessern.
Eine Trainingstherapie verbessert die Prognose bei Krebserkrankungen. Aber mildert sie auch die kardiotoxischen Effekte der onkologischen Behandlung ab? Derartige Nebenwirkungen zählen schließlich zu den Hauptursachen von nichttumorbedingten Todesfällen bei Krebspatientinnen und -patienten, erklärte Dr. Katharina Seuthe vom Kölner Universitätsklinikum. „Richtig gute Daten“ zur Prävention einer Kardiotoxizität gebe es bislang aber vor allem aus Tiermodellen.
Eine der größeren klinischen Untersuchungen ist die BREXIT-Studie. An ihr nahmen 104 Patientinnen mit Brustkrebs im frühen Stadium teil, die eine anthrazyklinbasierte Chemotherapie erhalten sollten. Zwölf Monate lang absolvierte die Hälfte der Frauen ein strukturiertes Programm mit Ausdauer- und Krafttraining, die andere Hälfte bekam die Standardversorgung. Analysiert wurde u. a. die kardiorespiratorische Fitness (VO2peak) zu Beginn, vier Wochen nach Ende der Chemotherapie sowie nach einem Jahr.
Unterschiedliche Therapieprotokolle erschweren die Übertragbarkeit auf den Alltag
In beiden Gruppen war ein Abfall der VO2peak durch die Krebsbehandlung zu verzeichnen. Ohne Training blieb der Sauerstoffaufnahme-Peak am Studienende 7 % unter dem Ausgangswert. Das Sportprogramm hingegen führte zu einem 9%igen Anstieg gegenüber Baseline. In der Trainingsgruppe hatte sich der VO2peak netto signifikant um 3,5 ml/kg/min verbessert. Laut einer anderen Untersuchung schlägt sich bereits eine Erhöhung um 1 ml/kg/min in einer Reduktion der kardiovaskulären und krebsbedingten Mortalität um 15 % bzw. 16 % nieder.
Die Übertragbarkeit solch positiver Ergebnisse auf den Alltag wird allerdings durch unterschiedliche Therapieprotokolle in den jeweiligen Studien erschwert. „Das scheint aber alles in irgendeiner Form zu funktionieren“, sagte Dr. Seuthe. Folglich sollte man Krebskranken mit geplanter Chemotherapie ein supervidiertes und individuelles Trainingsprogramm anbieten.
In einer Pilotstudie mit 20 neu diagnostizierten Brustkrebspatientinnen untersuchte die Kollegin kürzlich, ob auch ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) effektiv und sicher ist. HIIT-bedingte kardiovaskuläre Ereignisse traten nicht auf, sodass aktuell eine multizentrische randomisierte Studie geplant wird.