Darmflora bei Hypertonie im Fokus

Probiotika könnten den Blutdruck senken

Aus der Fachliteratur
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In Studien mit Hypertonie-Patientinnen und Patienten senkten vor allem Lactobacillus-Arten den Blutdruck.

Der Darm erweist sich zunehmend als Mitspieler bei der Hypertonie: Studien zeigen, dass bestimmte Probiotika entzündliche Prozesse bremsen, die Gefäßfunktion verbessern und den Blutdruck senken könnten.

Immer mehr Untersuchungen ergeben Hinweise darauf, dass Hypertonie und das Darm-Mikrobiom in engem Zusammenhang stehen, berichten Dr. Zhe Jiang von der Zhejiang Chinese Medical University et al. Eine Dysbiose der Darmmikrobiota ist häufig durch eine verminderte Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) sowie eine Verschiebung der mikrobiellen Zusammensetzung mit einer erhöhten Firmicutes-zu-Bacteroidetes-Ratio gekennzeichnet. Dies geht oft mit einer gestörten intestinalen Barrierefunktion einher. Dadurch können bakterielle Bestandteile wie Lipopolysaccharide in den Kreislauf gelangen und über proinflammatorische Mechanismen zur Entstehung von Hypertonie beitragen.

Bei bestimmten Personengruppen wirkten Probiotika gar nicht auf den Blutdruck

Vor diesem Hintergrund liegt es nahe zu untersuchen, ob Probiotika antihypertensiv wirken können. In präklinischen Tests ließ sich durch die Gabe verschiedener Bakterien, v. a. Lactobacillus-Arten, der systolische Blutdruck um Werte zwischen etwa 9 mmHg und 37 mmHg senken. In Studien mit Hypertonie-Patientinnen und -Patienten verringerten sich die Blutdruckwerte um systolisch etwa 3–14 mmHg und diastolisch etwa 1,5–7 mmHg, wenn die Betroffenen einige Zeit lang Produkte mit bestimmten Lactobacillus-Arten zu sich nahmen. Allerdings wirkten die Probiotika bei verschiedenen Personengruppen, etwa älteren hypertonen Rauchenden oder postmenopausalen Frauen mit metabolischem Syndrom, unterschiedlich bzw. teilweise gar nicht.

Warum Probiotika blutdrucksenkend wirken können, lässt sich pathophysiologisch anhand von Versuchen mit hypertonen Mäusen erklären und nachweisen. Insbesondere Lactobacillus-Arten können verschiedene Peptide produzieren, die das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) inhibieren, also wie ACE-Hemmer wirken. Außerdem ließ sich durch Lactobacillus und andere Probiotika die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) steigern, was günstig auf die Endothelfunktion und damit blutdrucksenkend wirkt. Ein gesundes Endothel wird zudem durch nachweisbare antioxidative Effekte bestimmter Milchsäurebakterien gefördert. In weiteren Untersuchungen ließen sich auch antiinflammatorische und positive immunmodulatorische Effekte solcher Bakterien nachweisen.

Wie genau wirken Probiotika einer Hypertonie entgegen?

Probiotika verbesserten auch die natürliche Darmbarriere und reduzierten die F/B-Ratio, sie wirkten also einer Dysbiose entgegen. Mögliche Effekte zeigten sich auch hinsichtlich der zirkulierenden kurzkettigen Fettsäuren, die bei Hypertonie von Bedeutung sind. Offenbar reduzieren Probiotika auch über eine differenzierte Regulierung der verschiedenen Rezeptoren für diese Fettsäuren das Risiko für eine Hypertonie.

Insgesamt weisen die Ergebnisse aus Tierversuchen auf vielfältige Wirkmechanismen hin, und klinische Untersuchungen legen antihypertensive Effekte von Probiotika nahe. Welche Bakterienarten jedoch beim Menschen besonders effektiv sind, wie die optimale Dosierung und Therapiedauer aussehen und ob Probiotika sich auf Personen verschiedenen Alters oder Geschlechts unterschiedlich auswirken, sind wichtige bisher nicht geklärte Forschungsfragen.

Jiang Z et al. J Hypertens 2026; doi: 10.1097/HJH.0000000000004258

Dr. Susanne Meinrenken

Dr. Susanne Meinrenken ist als freie Autorin u. a. für die Medical Tribune tätig. Nach ihrer Approbation begann sie 1998 ihre freiberufliche Tätigkeit als Autorin, Journalistin und Redakteurin im Bereich Humanmedizin. So verschieden wie die Zielgruppen ihrer Texte – Medizinerinnen und Mediziner, Studierende oder Laien – sind auch die Fachbereiche, in denen Susanne Meinrenken tätig ist: Neurologie und Psychiatrie, Pneumologie, Gynäkologie und Onkologie sowie internistische und allgemeinmedizinische Texte oder auch Public-Health-Themen.

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