Neue Wege in der Rhythmustherapie

Pulsed Field Ablation ist bei Vorhofflimmern im Kommen

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
Schätzungen zufolge leiden rund zwei Millionen Menschen in Deutschland an Vorhofflimmern.

Die Pulsed Field Ablation tritt als Gamechanger bei Vorhofflimmern auf. Sie isoliert die Pulmonalvenen präzise, verkürzt die Prozedurzeit und minimiert die Risiken für Nachbarstrukturen. Wie funktioniert das Verfahren und wie ist die Datenlage?

Die Pulsed Field Ablation ist eine relativ junge Methode zur Pulmonalvenenisolation bei Vorhofflimmern. Im Vergleich zu anderen Energieformen zeichnet sie sich durch ein geringeres Risiko für Kollateralschäden aus. Der Gebrauch wird aufgrund weiterer Vorteile vermutlich zunehmen.

Schätzungen zufolge leiden rund zwei Millionen Menschen in Deutschland an Vorhofflimmern. Für die Rhythmuskontrolle kommt neben Antiarrhythmika eine Katheterablation infrage. Bei sym­ptomatischem, paroxysmalem Vorhofflimmern kann sie angesichts der aktuellen Datenlage als Erstlinientherapie herangezogen werden, schreibt ein Team um Rahin ­Wahedi von der Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg. Im Rahmen der Prozedur werden die Pulmonalvenen, die als Trigger für die Rhythmusstörung gelten, elektrisch vom linken Vorhof isoliert (Pulmonalvenenisolation, PVI).

Die etablierten Verfahren zur PVI nutzen vor allem thermale Energiequellen (Hochfrequenzstrom, Kryoenergie). Aufgrund der fehlenden Spezifität können dabei selten auch benachbarte anatomische Strukturen zu Schaden kommen. Zu den möglichen Komplikationen (s. Kasten) gehören u. a. atrio-ösophageale Fisteln, die mit einer sehr hohen Mortalität verbunden sind. Reversible Phrenikusparesen werden mit einer Inzidenz von 4 % am häufigsten nach einer Kryoablation beobachtet.

Die Zellmembran der Kardiomyozyten ist das Ziel

Seit 2021 steht als Alternative die Elektroporation (Pulsed Field Ablation, PFA) zur Verfügung. Dabei perforieren kurze, hochenergetische elektrische Impulse gezielt die Zellmembran der Kardiomyozyten, was eine Apoptose zur Folge hat. Durch die Spezifität lassen sich Kollateralschäden weitgehend vermeiden, so das Autorenteam. Bislang gibt es keine Berichte von atrio-ösophagealen Fisteln oder Pulmonalvenenstenosen nach einer PFA.

Beim paroxysmalen Vorhofflimmern ergab sich für die Elektro­poration in der ADVENT-Studie eine nicht unterlegene Effektivität gegenüber thermalen Energieformen – bei vergleichbarer Sicherheit. In einer weiteren Studie (SINGLE-SHOT­­-­­­­CHAM­­­­­­PION), war die Kryoablation sogar knapp überlegen, was die Rezidivfreiheit betraf.

Komplikationen der PVI

  • atrio-ösophageale Fistel: 0,038 % (Hochfrequenzstrom), 0,0015  % (Kryoenergie)

  • permanente Phrenikusparese: ein Fallbericht bei PFA

  • Pulmonalvenenstenose: Fallserien (Hochfrequenzstrom), 0,06 % (Kryoenergie)

  • Hämolyse mit Nierenversagen: 0,5–4 % (Hochfrequenzstrom)

  • Koronarspasmen: 0,5–4 % (Kryoenergie), 0,14 % (PFA)

In Deutschland gibt es mittlerweile verschiedene PFA-Kathetersysteme. Mitunter erlauben diese auch einen Wechsel der Energieform (zwischen PFA und Hochfrequenzstrom) oder eine gleichzeitige dreidimensionale Rekonstruktion.

Die Intervention dauert etwa eine halbe Stunde

Der gesamte Eingriff dauert in der Regel nicht länger als 30 Minuten. Die meisten Patientinnen und Patienten können am Folgetag oder noch am selben Tag nach Hause entlassen werden.

Dem Autorenteam zufolge nimmt der Gebrauch der Elektro­poration aufgrund der Reproduzierbarkeit und der deutlich kürzeren Prozedurdauer zu. Laufende Studien untersuchen zudem den Einsatz bei anderen Rhythmusstörungen, sowohl im Bereich des Vorhofs als auch bei ventrikulären Arrhythmien.

Wahedi R et al. Hamburger Ärzteblatt 2025; 79: 34-36