Kardiale Reha: Warum sie auch jenseits der KHK sinnvoll sein kann
Die Reha nach Herzinfarkt ist etabliert. Doch auch bei vielen anderen kardiovaskulären Erkrankungen plädieren Expertinnen und Experten für einen gezielten Einsatz - trotz teils dünner Evidenz.
Eine Expertenrunde zum Thema kardiale Rehabilitation befasste sich mit vier Erkrankungen. Dr. Eike Langheim vom Reha-Zentrum Seehof in Teltow erinnerte zunächst an die Ursachen und Risikofaktoren von Vorhofflimmern (VHF), darunter Rauchen, kardiale Erkrankungen, Hyperthyreose oder Adipositas. Entsprechend gebe es eine Vielzahl von Ansätzen für multiprofessionelle Interventionen. Studien dazu liegen allerdings kaum vor, und bislang wird eine Reha nur von 1–5 % der Patientinnen und Patienten mit VHF genutzt. Belegt ist ein positiver Effekt auf Lebensqualität, Leistungsfähigkeit sowie tendenziell auf die Rezidivrate.
Als Kriterien dafür, wer vermutlich besonders von den Maßnahmen profitiert, nannte Dr. Langheim:
hoher Leidensdruck bei wiederholten Ereignissen
mehrfache Ablationen
hohe Symptomlast
psychische Reaktion auf das VHF (Angst, Depression, posttraumatische Belastung)
Fähigkeit zur Lebensstiländerung eingeschränkt
Prof. Dr. Rona Reibis von der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis Am Park Sanssouci in Potsdam widmete sich dem inflammatorischen myoperikardialen Syndrom (IMPS). Diese nichtischämische Myokardentzündung mit Begleitperikarditis hat eine Inzidenz von 6–8 pro 100.000 Personen/Jahr und betrifft i. d. R junge Männer. Evidenz für die Frage, ob eine Rehabilitation indiziert ist oder eher Gefahren birgt, gibt es nicht. Laut der aktuellen ESC*-Leitlinie zum Management von Myo- und Perikarditis kann nach einer verlängerten Ruhephase langsam die Rückkehr zu Arbeit und körperlicher Aktivität erfolgen, „ggf. unterstützt durch eine Reha“.
Ejektionsfraktion, Rhythmusstabilität und MRT-Befunde sind prognostisch entscheidend
Geht das Syndrom mit einer HFrEF einher, besteht die Gefahr der hämodynamischen Kompromittierung, außerdem muss man eine Arrhythmieneigung fürchten. In der subakuten Phase kann ein zu intensives Ausdauer- oder Intervalltraining die inflammatorische Aktivität prolongieren und ein fibrotisches Remodeling begünstigen. Prognostisch entscheidend sind LVEF, Rhythmusstabilität und Befunde aus der MRT.
Eine kardiologische Reha bietet die Chance auf ein überwachtes individualisiertes Training, die Optimierung der Medikation, psychosoziale Begleitung und Hilfe bei der beruflichen Reintegration, erklärte Prof. Reibis. Das Problem: Häufig handelt es sich beim IMPS nur um eine Verdachtsdiagnose, die nicht durch MRT oder Biopsie gesichert wurde. Und oft herrscht ein Unwissen über die Indikation zur Reha und den Ablauf bei einer Herzmuskelentzündung. Das Training sollte mit niedriger Intensität beginnen. Während der Reha erfolgt idealerweise ein wöchentlicher Risikocheck mit EKG, Biomarker-Bestimmung und Echo. Ggf. kann man eine Defiweste zur Überbrückung verordnen.
Aorteneingriffe erfordern strenge Belastungskontrolle
Auch für eine Anschlussheilbehandlung nach einer Lungenembolie gibt es kaum Evidenz. Empfohlen wird sie nach ausgedehntem Perfusionsausfall. Prof. Dr. Axel Schlitt, Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, plädierte generell dafür. Seiner Aussage nach lassen sich damit nachhaltige Effekte in Bezug auf eine verbesserte Lebensqualität erzielen.
Einige Besonderheiten gibt es bei der Rehabilitation nach Eingriffen an der Aorta. Hierfür sollte im Vorfeld ein Risikocheck erfolgen, sagte Prof. Dr. Jean-Paul Schmid von der Rehaklinik Gais im schweizerischen Valens. Die Stratifizierung orientiert sich u. a. an der Art des Eingriffs, an Komplikationen und vor allem am Blutdruckverhalten. Körperliche Aktivitäten sollten mit leichter Intensität beginnen, der Fokus liegt auf aerobem Krafttraining. In jedem Fall gilt: Die Belastung darf der Aorta nicht schaden.
* European Society of Cardiology