Reha für Herzkranke

Kardiale Reha: Warum sie auch jenseits der KHK sinnvoll sein kann

92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
|Erschienen am: 
Die meisten kardiovaskulär Erkrankten profitieren von einer Reha.

Die Reha nach Herzinfarkt ist etabliert. Doch auch bei vielen anderen kardiovaskulären Erkrankungen plädieren Expertinnen und Experten für einen gezielten Einsatz - trotz teils dünner Evidenz.

Eine Expertenrunde zum Thema kardiale Rehabilitation befasste sich mit vier Erkrankungen. Dr. Eike ­Langheim vom Reha-Zentrum Seehof in Teltow erinnerte zunächst an die Ursachen und Risikofaktoren von Vorhofflimmern (VHF), darunter Rauchen, kardiale Erkrankungen, Hyperthyreose oder Adipositas. Entsprechend gebe es eine Vielzahl von Ansätzen für multiprofessionelle Interventionen. Studien dazu liegen allerdings kaum vor, und bislang wird eine Reha nur von 1–5 % der Patientinnen und Patienten mit VHF genutzt. Belegt ist ein positiver Effekt auf Lebensqualität, Leistungsfähigkeit sowie tendenziell auf die Rezidivrate.

Als Kriterien dafür, wer vermutlich besonders von den Maßnahmen profitiert, nannte Dr. Langheim:

Prof. Dr. Rona Reibis von der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis Am Park Sanssouci in Potsdam widmete sich dem inflammatorischen myoperikardialen Syndrom (IMPS). Diese nichtischämische Myokardentzündung mit Begleitperikarditis hat eine Inzidenz von 6–8 pro 100.000 Personen/Jahr und betrifft i. d. R junge Männer. Evidenz für die Frage, ob eine Rehabilitation indiziert ist oder eher Gefahren birgt, gibt es nicht. Laut der aktuellen ESC*-Leitlinie zum Management von Myo- und Perikarditis kann nach einer verlängerten Ruhephase langsam die Rückkehr zu Arbeit und körperlicher Aktivität erfolgen, „ggf. unterstützt durch eine Reha“.

Ejektionsfraktion, Rhythmusstabilität und MRT-Befunde sind prognostisch entscheidend

Geht das Syndrom  mit einer HFrEF einher, besteht die Gefahr der hämodynamischen Kompromittierung, außerdem muss man eine Arrhythmieneigung fürchten. In der subakuten Phase kann ein zu intensives Ausdauer- oder Intervalltraining  die inflammatorische Aktivität prolongieren und ein fibrotisches Remodeling begünstigen. Prognostisch entscheidend sind LVEF, Rhythmusstabilität und Befunde aus der MRT.

Eine kardiologische Reha bietet die Chance auf ein überwachtes individualisiertes Training, die Optimierung der Medikation, psychosoziale Begleitung und Hilfe bei der beruflichen Reintegration, erklärte Prof. Reibis. Das Problem: Häufig handelt es sich beim IMPS nur um eine Verdachtsdiagnose, die nicht durch MRT oder Biopsie gesichert wurde. Und oft herrscht ein Unwissen über die Indikation zur Reha und den Ablauf bei einer Herzmuskelentzündung. Das Training sollte mit niedriger Intensität beginnen. Während der Reha erfolgt idealerweise ein wöchentlicher Risikocheck mit EKG, Biomarker-Bestimmung und Echo. Ggf. kann man eine Defiweste zur Überbrückung verordnen.

Aorteneingriffe erfordern strenge Belastungskontrolle

Auch für eine Anschlussheilbehandlung nach einer Lungenembolie gibt es kaum Evidenz. Empfohlen wird sie nach ausgedehntem Perfusionsausfall. Prof. Dr. Axel Schlitt, Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, plädierte generell dafür. Seiner Aussage nach lassen sich damit nachhaltige Effekte in Bezug auf eine verbesserte Lebensqualität erzielen.

Einige Besonderheiten gibt es bei der Rehabilitation nach Eingriffen an der Aorta. Hierfür sollte im Vorfeld ein Risikocheck erfolgen, sagte Prof. Dr. Jean-Paul Schmid von der Rehaklinik Gais im schweizerischen Valens. Die Stratifizierung orientiert sich u. a. an der Art des Eingriffs, an Komplikationen und vor allem am Blutdruckverhalten. Körperliche Aktivitäten sollten mit leichter Intensität beginnen, der Fokus liegt auf ­aerobem Krafttraining. In jedem Fall gilt: Die Belastung darf der Aorta nicht schaden.

* European Society of Cardiology

Dr. Anja Braunwarth

Dr. Anja Braunwarth

Redakteurin Medical Tribune
Dr. Anja Braunwarth arbeitete nach dem Medizinstudium in Bochum zunächst mehrere Jahre als Ärztin in der Unfallchirurgie. Im Jahr 2000 wechselte sie in die Freiberuflichkeit und kombinierte Dienste als freie Notärztin mit einer Tätigkeit als Fernsehjournalistin. Ein paar Jahre später kam die Arbeit im Printmedium dazu, was 2008 in der bis heute bestehenden Festanstellung bei der Medical Tribune mündete.

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