Diffuse Grad-2-Gliome: Erste zielgerichtete Therapie
Vorasidenib ermöglicht Erkrankten mit Grad-2-Gliomen nach der OP eine orale Behandlung. In INDIGO blieb das Tumorvolumen stabil und die Anfallsrate sank.
Diffuse Grad-2-Gliome mit Mutation der Isocitrat-Dehydrogenase 1/2 (mIDH1/2) können seit November 2025 zielgerichtet behandelt werden. Angriffspunkt von Vorasidenib (Voranigo®) ist das mutierte IDH-Enzym. Die orale Therapie wird bei Erkrankten mit IDH-mutierten Astrozytomen und Oligodendrogliomen Grad 2 eingesetzt, die zuvor nur operiert wurden und derzeit keine Strahlen- oder Chemotherapie benötigen.
„Lebensqualität möglichst lange erhalten“
Gliome infiltrieren das umliegende Hirngewebe und wachsen auch nach der Operation kontinuierlich weiter. „Es handelt sich um eine diffuse Ganzhirnerkrankung“, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Wick, Universitätsklinikum Heidelberg. Die IDH-Mutation bildet einen früher Treiber von Gliomentstehung und -wachstum. Da viele Patient:innen jung sind, mitten im Berufsleben stehen und lange Zeit keine Symptome durch ihren Hirntumor haben, sollte die Therapie die Lebensqualität möglichst lange erhalten, betonte der Experte.
Bisher gab es für die Behandlung von mIDH-Gliomen des Grads 2 nach der Operation im Wesentlichen zwei Optionen: Watch-and-scan oder eine Radiochemotherapie. Mit Vorasidenib könne ein Mittelweg zwischen beiden Extremen beschritten werden, so Prof. Wick weiter.
Tumorvolumen blieb mit Vorasidenib stabil
In der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie INDIGO verglichen Forschende Vorasidenib bei 331 ausschließlich operierten, IDH-mutierten Gliom-Patient:innen mit Placebo. Der IDH-Inhibitor hemmte das Tumorwachstum (mediane Veränderung des Tumorvolumens -1,3 % alle sechs Monate), während die Gliome unter Placebo kontinuierlich wuchsen (+14,4 % alle sechs Monate). Bei Betroffenen mit epileptischen Anfällen senkte Vorasidenib die Anfallsrate auf 18,2 Ereignisse pro Person und Jahr im Vergleich zu 51,2 Anfällen ohne Vorasidenib (HR 0,36).
Außerdem reduzierte die IDH-Inhibition das Risiko für einen Krankheitsprogress signifikant (HR 0,35). Nach zwei Jahren lebten 58,8 % der mit Vorasidenib Behandelten vs. 26,2 % der Kontrolle ohne Progress. Die Lebensqualität blieb dabei auf dem Niveau der Beobachtungsgruppe.
Pressegespräch „Paradigmenwechsel in der Gliomtherapie: Erste zielgerichtete Therapie für diffuse Grad 2 Gliome“; Veranstalter: Servier