Hitzestress erhöht Risiko für Nierenschäden
Steigende Temperaturen haben zunehmend hitzebedingte Nierenschäden in den Fokus gerückt. Studien berichten über akute Niereninsuffizienz bei bis zu einem Drittel der wegen Hitzestress hospitalisierten Personen – mit möglicher Progression zur chronischen Erkrankung.
Mit der zunehmenden Erderwärmung kommt es immer häufiger zu langen Hitzephasen, insbesondere in vielen Ländern des globalen Südens. Dass extreme Wärme sich negativ auf das kardiovaskuläre System und die Atemwege auswirkt, ist bekannt. Die Nierengesundheit jedoch steht zu wenig im Fokus, warnen Safa Mohammed von der Sinnar Universität in Sudan und Abdulqadir Nashwan aus Doha, Katar. Dabei weisen Studien bereits auf die „Epidemie“ einer chronischen Nierenerkrankung unbekannter Ursache in ländlichen Regionen Zentralamerikas hin, die wahrscheinlich mit häufigen Hitzewellen assoziiert ist. Dieses Thema werde jedoch weder in der Gesundheitspolitik noch in der Nephrologie ausreichend berücksichtigt, so das Autorenduo.
Bei steigenden Temperaturen reagiert der Körper mit thermoregulierenden Mechanismen: Vor allem wird die Durchblutung der Haut intensiviert, um durch Schwitzen und Verdunstungskälte den Körper zu kühlen und die Kerntemperatur bei möglichst etwa 37 °C zu halten. Werden diese Mechanismen überfordert, drohen Hyperthermie sowie Hitzestress bzw. hitzebedingte Erkrankungen: Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung und der lebensbedrohliche Hitzschlag.
Wie Hitze die Niere in die Zange nimmt
Hitzestress bedroht auch die Nieren: Steigende Temperaturen führen über die Umverteilung des Blutvolumens und die Dehydrierung zu einer renalen Minderdurchblutung. In der Folge können Ischämien entstehen; angestoßene inflammatorische Prozesse lösen Gefäßschäden aus. Infolge des Volumenmangels wird zudem das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System aktiviert und Vasopressin vermehrt ausgeschüttet, was u. a. Elektrolytstörungen sowie eine Schädigung der Nephrone zur Folge hat. Zudem erlaubt die erhöhte Permeabilität der Darmschleimhaut bakteriellen Endotoxinen den Eintritt in die Blutbahn. Diese Endotoxine aktivieren die Makrophagen und verstärken die systemische Inflammation, im schlimmsten Fall bis hin zu einem Zytokinsturm. Bei Hitze kommt es außerdem nicht selten zu einer Rhabdomyolyse. Das freigesetzte Myoglobin gelangt in die Nieren und verstopft die Tubuli, freigewordenes Häm-Eisen führt über reaktive Sauerstoffspezies zur Schädigung der Tubuluszellen.
Hitze ist für die Niere eine besondere Bedrohung. Aufgrund diverser Mechanismen (siehe Kasten) kommt es bei bis zu einem Drittel der wegen Hitzestress stationär aufgenommenen Personen im Verlauf zu einer akuten Niereninsuffizienz, insbesondere wenn die Behandlung sich verzögert. Zudem können wiederholte subklinische renale Ischämien, zusammen mit anderen negativen Faktoren, im Verlauf zu strukturellen Schäden wie interstitielle Fibrose, tubuläre Atrophie und Glomerulosklerose führen und so eine hitzebedingte chronische Niereninsuffizienz auslösen.
Besonders gefährdet sind Kinder und ältere Menschen, solche mit Begleiterkrankungen wie etwa Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Personen, die nierentoxische Medikamente einnehmen (müssen). Zu Letzteren gehören zahlreiche verbreitet eingesetzte Wirkstoffe, darunter auch nichtsteroidale Antirheumatika. Bei Verdacht auf eine Nierenschädigung ist auf solche Medikamente zu achten und ggf. die Dosis anzupassen.
Frühe Diagnostik hitzebedingter Nierenschädigungen kann chronische Erkrankungen verhindern
Grundsätzlich sind Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte im Bereich Früherkennung und Management hitzebedingter Nierenschädigungen wichtig, schreiben die Autoren. Zukünftige Forschung müsse sich u. a. auf Biomarker zur frühen Diagnostik eines Nierenschadens konzentrieren sowie darauf, das Fortschreiten einer hitzebedingten akuten Niereninsuffizienz hin zur chronischen Erkrankung besser erklären zu können.
Gesundheitspolitisch lenken die Autoren den Fokus zum einen auf die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder, zum anderen auf Risiko-Arbeitsplätze: Wer bei Hitze körperlich schwer im Freien arbeiten muss, aber auch wer z. B. in Industriehallen über längere Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt ist, braucht besonderen Schutz. Am Arbeitsplatz sollte nicht nur die Temperatur, sondern auch die Luftfeuchtigkeit gemessen werden, da hohe Luftfeuchtigkeit den Körper bei der Thermoregulation noch schneller an dessen Grenzen bringt. Auch eine hohe Luftschadstoffkonzentration schädigt nicht nur Atemwege und Blutgefäße, sondern auch die Niere. Neben einem guten Raumklima sind als Prävention genügend Pausen für die Arbeitenden sowie stets Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen wichtig.
Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene nennen die Autoren Aufklärung zu Verhalten bei Hitze sowie Frühwarnsysteme bzw. Hitzeschutzpläne als wichtige Maßnahmen, um den Hitzestress zu reduzieren. Daneben müsse den gesundheitlichen Risiken des Klimawandels mit der Entwicklung „grüner“ Städte sowie mit dem Aufbau von klimaresilienten Gesundheitssystemen begegnet werden.
Mohammed SY, Nashwan AJ. Kidney Med 2026; 8: 101215; doi: 10.1016/j.xkme.2025.101215