In vier Tagen gegen den Zwang

Hochkonzentrierte Expositionstherapie bewährt sich auch in Deutschland

DGPPN* Kongress 2025
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Ist der Backofen wirklich aus? Gegen belastende Zwangshandlungen hilft offenbar auch eine Kurzzeittherapie.

In Skandinavien wurde für Menschen mit Zwangsstörungen eine kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement über nur vier Tage entwickelt. Nun wurde dieses Programm an deutsche Verhältnisse angepasst.

Eine mehrwöchige kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement ist die Standardtherapie bei Menschen mit einer Zwangsstörung. Dass auch eine kürzere Therapiedauer von drei statt acht Wochen bei gleicher Therapiedosis effektiv ist, war schon länger bekannt. In Norwegen jedoch führte eine viertägige, hochintensive Behandlung zu einer regelrechten Transformation im Gesundheitswesen, wie Prof. Dr. Lena­ Jelinek­ vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berichtete. Die Bergen-4-Tages-Therapie (B4DT) ist dort mittlerweile Standard bei Zwangsstörungen; analoge Kompakttherapien werden auch bei anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt.

In Hamburg wurde die Intervention übersetzt und an hiesige Verhältnisse adaptiert. In einer eintägigen Vorbereitungsphase vor der eigentlichen Therapie erfolgen die Diagnostik und die Aufklärung über die Behandlung sowie mögliche Expositionsübungen. Die eigentliche Therapie mit Gruppen- und Einzelsitzungen wird in einer Woche von Dienstag bis Freitag durchgeführt. Sie umfasst Psychoedukation, die Planung und Durchführung von Expositionsübungen sowie eine Besprechung der Umsetzung im Alltag. Nach drei Monaten erfolgt eine Boostersitzung von ca. 45 Minuten.

Bereits mehr als einhundert Betroffene behandelt

Bis November 2025 wurden am UKE bereits mehr als 100 Patientinnen und Patienten behandelt, berichtete Prof. Jelinek. Davon nahmen 58 an einer Pilotstudie zur Wirksamkeit der Ultrakurztherapie teil. Die Behandelten waren im Mittel 35 Jahre alt, wiesen zu 70 % eine komorbide depressive Störung auf und hatten zu Beginn eine mittelschwere Zwangssymptomatik (im Schnitt 25 Punkte auf der Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale, Y-BOCS). Am häufigsten waren Wasch- und Kontrollzwänge sowie belastende Zwangsgedanken.

Bereits bei den ersten 33 Teilnehmenden der Pilotstudie hatte sich gezeigt, dass die B4DT auch unter deutschen Verhältnissen Vorteile gegenüber einer historischen Kon­trollgruppe aufwies. Die Auswertung von 56 Erkrankten über zwölf Monate bestätige nun die Wirksamkeit und einen anhaltenden Effekt der Kompakt-KVT, so Prof. Jelinek.

Die Ansprechrate lag bei 62,5 %, definiert als mindestens 35%ige Reduktion im Y-BOCS. Eine Remission (≤ 12 Punkte absolut) erreichten 46 %. Der mittlere Y-BOCS-Wert sank insgesamt um 10 auf 15 Punkte am Tag nach der Behandlung. Nach drei und zwölf Monaten blieb der Mittelwert unter 15 Punkten. Mehr als die Hälfte der Behandelten war nach zwölf Monaten in Remission.

Eine Reduktion der selbst berichteten depressiven Symptome war ebenfalls messbar: Diese sanken auf dem Patient Health Questionnaire-9 von durchschnittlich rund 9 Punkten auf weniger als 6 Punkte nach der B4DT. Auch dieser Effekt hielt über die Nachbeobachtungszeit an. Das globale Funktionsniveau nach dem Global Assessment of Functioning (GAF) nahm dagegen stabil zu.

Therapieabbrüche gab es in der Pilotstudie nicht. Die zeitliche Dichte und der rasche Start der Exposition nach der Therapieplanung könnte dazu beitragen, dass sich die Betroffenen auf diesen entscheidenden Baustein der Behandlung einlassen, so die Expertin. Zudem sei die Therapie besonders gut für Menschen mit begrenzten zeitlichen Ressourcen geeignet.

* Deutsche Gesellschaft für Psychiatrieund Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V.

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