Kopftraumata schädigen auch das Rückenmark
Wiederholte Schädel-Hirn-Traumata hinterlassen nicht nur im Gehirn ihre Spuren. Eine Autopsiestudie zeigt bei Kontaktsportlerinnen und -sportlern eine ausgeprägte Tau-Pathologie auch im Rückenmark, korrelierend mit Gangstörungen.
Wiederholte Schädel-Hirn-Traumata sind bei Kontaktsportlerinnen und -sportlern häufig und können zu chronisch traumatischer Enzephalopathie (CTE) führen. Während die Gehirnpathologie gut untersucht ist, blieb die Beteiligung des Rückenmarks bislang unklar. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Hidetomo Tanaka von der University of Toronto hat nun systematisch die spinale Proteinpathologie bei wiederholter Kopftraumatisierung untersucht.
Autopsie deckt Proteinablagerungen im ZNS auf
In einer Fall-Kontroll-Studie untersuchte das Team die Gehirne von 70 Verstorbenen (62 Männer, 8 Frauen, mittleres Alter 64,4 Jahre) des Zeitraums Juni 2019 bis August 2025. Dabei wurden in 20 Fällen neuropathologische CTE-Veränderungen (CTE-NC) identifiziert und mit 50 Kontrollen ohne CTE-NC verglichen. Immunhistochemisch wurden Ablagerungen von phosphoryliertem Tau-Protein (p-Tau), p-TDP-43, Alpha-Synuclein, Beta-Amyloid und weitere Marker untersucht.
Alle 20 CTE-NC-Fälle zeigten spinale p-Tau-Ablagerungen. Besonders ausgeprägt war die Pathologie bei älteren Personen (ab 65 Jahre) mit wiederholten Kopftraumata in der Vorgeschichte (n = 14). Bei ihnen fanden sich neuronale (alle 14) und astrozytäre p-Tau-Ablagerungen (12 von 14), begleitet von Mikroglia-Aktivierung und motorischen Symptomen. Zusätzlich fielen p-TDP-43-Einschlüsse (9 von 14), Beta-Amyloid (13 von 14) und Alpha-Synuclein (7 von 14) auf. Bei vier Personen lagen alle vier Pathologien vor. Bei fünf CTE-NC-Fällen war p-TDP-43 ausschließlich im Rückenmark nachweisbar.
Spinale Schäden korrelieren mit Gangstörungen
Die Ergebnisse sprechen für eine trauma-assoziierte Enzephalomyelopathie und legen nahe, dass kumulative Schädeltraumata die Aggregation fehlgefalteter Proteine im gesamten ZNS fördern. Die Autorengruppe fand eine signifikante Korrelation zwischen spinaler p-Tau-Pathologie und motorischen Symptomen, insbesondere Gangstörungen und Zeichen für eine Schädigung der unteren Motoneurone.
Tanaka H et al. JAMA Neurol 2026; 83: 231-241; doi: 10.1001/jamaneurol.2025.5421