Menopause beschleunigt MS-Progression offenbar nicht
Beeinflusst die Menopause den Verlauf der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose? Eine Registeranalyse zeigt keinen Zusammenhang mit einer Progression der Behinderung – wirft jedoch neue Fragen zur menopausalen Transition und Messmethodik auf.
Die meisten Frauen mit Multipler Sklerose (MS) erleben ihre Menopause, wenn die neurologische Erkrankung bereits vorliegt. Bisher war unklar, ob die Hormonveränderungen die Mobilität von Frauen mit schubförmig remittierender MS (RRMS) verschlechtern. Ein internationales Forschungsteam untersuchte diese Frage nun in einer retrospektiven Kohortenstudie anhand von Daten der australischen MSBase-Datenbank der Jahre 2018–2021. Berücksichtigt wurden 1.468 Patientinnen im Alter ab 18 Jahren, darunter 987 mit RRMS und mindestens drei Kontrollen der Expanded Disability Status Scale (EDSS) und bekanntem Stand der Wechseljahre. In die Zweitanalyse gingen 209 Frauen mit mindestens einem EDSS-Wert vor und nach der Menopause ein.
Primärer Endpunkt war der Zeitraum bis zur gesicherten Progression der Behinderung. Zudem wurde die Zeit bis zur Manifestation einer sekundär progressiven MS erfasst. Als Wendepunkt wurden die zeitlich verfolgten Veränderungen in der EDSS während der menopausalen Transition betrachtet, so das Team um Francesca Bridge von der Monash University, Melbourne. Primär ausgewertet wurden die Daten von 583 prämenopausalen und 404 postmenopausalen Frauen.
In einer multivariablen Adjustierung war die Menopause nicht assoziiert mit einer Progression der motorischen Einschränkungen und der Zeit bis zum sekundären Fortschreiten. Den Forschenden zufolge ist die Menopause somit kein Leitfaktor für das Fortschreiten der Behinderung (Hazard Ratio 0,95 bzw. 1,00) bei Personen, die bereits zu Studienbeginn einen Rückfall erleiden.
Kritik am zu eng gefassten Design der Untersuchung
Präsentiert wurden nur die negativen Daten zur Assoziation zwischen von der Patientin selbst diagnostizierten Menopause und einer bereits zu Beginn rezidivierender MS, so die Kritik der beiden Kommentatorinnen Dr. Jennifer Graves und Dr. Mar Tintoré von der University of San Diego. Notwendig ist jedoch ein weiter gefasster Blick auf die gesamte menopausale Entwicklung – einschließlich der früh und häufig unberechenbaren Transition. Zudem sollten bei der Untersuchung verschiedene MS-Formen berücksichtigt werden, so z. B. auch die progredient beginnende. Die EDSS ist diesbezüglich nicht zuverlässig, es müssen auch andere Schlüsselsymptome erfasst werden, einschließlich Kognition, Schlaf und Blasenfunktion.
1.Bridge F et al. JAMA Neurol 2025;82: 1219-1226; doi: 10.1001/jamaneurol.2025.3538
2.Graves JS et al. JAMA Neurol 2025; 82: 1211-1213; doi: 10.1001/jamaneurol.2025.2419