Neue Biomarker schärfen Meningitisdiagnose
Klassische Liquorwerte stoßen bei der Meningitisdiagnostik oft an ihre Grenzen. Neue Biomarker wie CRP, IL‑6 und IL‑1β bringen jetzt Tiefenschärfe in die Erregerdifferenzierung – und könnten den Weg für präzisere Tests ebnen.
Nur in etwa 30 % der Fälle bestätigt die Liquordiagnostik den Verdacht einer ZNS-Infektion. Zudem kann die herkömmliche Analyse uneindeutig sein. So geht eine akute bakterielle Meningitis nicht immer mit Zellzahlen > 1.000/µl einher, erinnerte Prof. Dr. Matthias Klein, Neurologische Klinik der LMU München. 34 % der Betroffenen weisen < 1.000/µl auf, 11 % < 100 Zellen/µl. Und Granulozyten findet man in großer Zahl mitunter auch bei Autoimmunkrankheiten im ZNS.
Auf der Suche nach differenzierenden Liquormarkern wertete eine niederländische Arbeitsgruppe die Daten von 738 Erkrankten aus. 81 von ihnen hatten eine bakterielle, 107 eine virale Meningitis oder eine Enzephalitis. Bei 35 Personen wurde eine andere Infektion diagnostiziert, bei den übrigen eine andere ZNS-Erkrankung.
Abgrenzung von infektiöser und z. B. autoimmuner Genese
Die Bestimmung von CRP, Interleukin(IL)-6 und IL-1b erwies sich als äußerst hilfreich, um zwischen ZNS-Infektionen und anderen Erkrankungen mit erhöhter Zellzahl im Liquor sowie zwischen bakterieller und viraler Genese zu unterscheiden. Die Kombination aller drei Marker erlaubte eine exzellente Differenzierung zwischen bakterieller Meningitis und anderen Erkrankungen. Die Aussagekraft war der von Liquorleukozytose und einzelnen Biomarkern deutlich überlegen. In einer Folgestudie bestätigte sich der Stellenwert des Liquor-CRP für die Abgrenzung von bakteriellem und viralem Auslöser, berichtete Prof. Klein. Bislang gebe es aber noch keinen zugelassenen Test.
In der mikrobiologischen Meningitisdiagnostik ergänzen PCR-Verfahren mittlerweile Kultur und Resistenztestung. Sie werden auch in der neuen WHO-Leitlinie empfohlen. Dennoch bleibt weiterhin bei bis zu 50 % der Erkrankten mit ZNS-Infektion der Erreger unklar. In solchen Fällen könnte das metagenomic next-generation sequencing (mNGS) weiterhelfen. Die Technik identifizierte in 4.828 Liquorproben 797 Pathogene.
Für den Nachweis von Bakterien und Viren lag die Sensitivität mit 63,1 % höher als die der PCR und indirekter serologischer Tests. Die Spezifität erreichte 99,6 %. Beim Erkennen von Pilzen und bestimmten Viren war das mNGS anderen Testmethoden aber unterlegen. Nach der Einschätzung von Prof. Klein könnte sich das Verfahren bei Schwerkranken als sehr sinnvoll erweisen, wenn die Standardmethodik versagt. Der Kollege erwartet, dass es in den klinischen Alltag Einzug halten wird.
13. Infektiologie-Update-Seminar 2025