Ivonescimab verlängert Überleben beim PD-L1-positiven NSCLC deutlich
In einer chinesischen Phase-3-Studie verlängerte Ivonescimab als Erstlinie das OS beim fortgeschrittenen NSCLC im Vergleich zu Pembrolizumab. Besonders stark profitierte die Subgruppe mit hoher PD-L1-Expression.
Im Vergleich zu Pembrolizumab verlängerte Ivonescimab als Erstlinientherapie das Gesamtüberleben von Patient:innen mit PD-L1-positivem fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) signifikant von 22,6 Monaten auf 30,8 Monate. Die Hazard Ratio (HR) betrug 0,73 (95%-KI 0,57 – 0,95; p = 0,009). Dies geht aus einer geplanten Zwischenanalyse der Phase-3-Studie HARMONi-2 hervor.1 Den primären Endpunkt eines verlängerten progressionsfreien Überlebens hatte die Studie zuvor bereits erreicht. Der First-in-Class-bispezifische Antikörper, der sich gegen PD1 und VEGF richtet, hatte das PFS im Prüfarm annähernd verdoppelt, von 5,8 auf 11,1 Monate (HR 0,51). Aufgrund dieser Ergebnisse erhielt Ivonescimab im April 2025 in China die Zulassung für diese Patientengruppe. Jetzt präsentierte Prof. Caicun Zhou vom Shanghai East Hospital die Daten zum OS, dem wichtigsten sekundären Endpunkt.
An mehreren Zentren in China nahmen 398 Personen mit unbehandeltem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC teil. Der PD-L1-Tumor-Proportions-Score (TPS) musste mindestens 1 % betragen, Mutationen in EGFR oder ALK galten als Ausschlusskriterium. 1:1 randomisiert erhielten die Teilnehmenden bis zu zwei Jahre lang alle drei Wochen 20 mg/kg Ivonescimab (n = 198) oder 200 mg Pembrolizumab (n = 200).
Hazard Ratio von 0,58 in PD-L1-high Gruppe
Abgesehen von rein lokalen Erkrankungen (Stadium IIIB/C) schienen alle vorab festgelegten Subgruppen durch Ivonescimab einen Überlebensvorteil zu erfahren, so der Referent. Besonders deutlich profitierten Patient:innen mit hoher Expression von PD-L1. Für Personen mit einem PD-L1-TPS von mindestens 50 % betrug die HR 0,58 (95%-KI 0,38 – 0,89) gegenüber 0,85 bei einem PD-L1-TPS von 1 – 49 % (95%-KI 0,61 –1,18). „In der Subgruppe mit hoher PD-L1-Expression war das mediane OS unter Ivonescimab noch nicht erreicht“, betonte Prof. Zhou. Unter Pembrolizumab betrug es 23,2 Monate. An dem Sicherheitsprofil des bispezifischen Antikörpers habe sich mit der längeren Laufzeit der Studie nichts geändert, so der Referent.
Das Ergebnis untermauert den Einsatz von Ivonescimab als Option beim PD-L1 positiven NSCLC in China, so das Fazit von Prof. Zhou. Eine laufende globale Phase-3-Studie speziell für Patient:innen mit hoher PD-L1-Expression, HARMONi-7, werde den Wirkstoff möglicherweise künftig weltweit als chemotherapiefreie Erstlinie etablieren.
Was bedeutet HARMONi-2 für die klinische Praxis?
Nicht nur statistisch, auch klinisch sei der OS-Vorteil relevant, äußerte sich Diskutantin Prof. Mariana Brandão vom Universitätsklinikum Brüssel.2 Allerdings sei die Kontrollbehandlung, Pembrolizumab als Monotherapie, besonders bei geringer PD-L1-Expression nicht unbedingt das, was im Alltag Anwendung findet. Üblicherweise käme dann ergänzend eine Chemotherapie hinzu. Zudem handele es sich um eine nicht ausreichend gepowerte Subgruppenanalyse eines sekundären Endpunkts. „Und wir wissen, dass Ivonescimab zwar gut vertragen wird, im Vergleich zu Pembrolizumab jedoch eine erhöhte Toxizität aufweist“, betonte sie. Die klinische Routine zu ändern, sei daher verfrüht, dazu gelte es, HARMONi-7 abzuwarten.
1. Zhou C et al. IASLC 2026 World Conference on Lung Cancer; OA14.01. Overall Survival Analysis From HARMONi-2: Ivonescimab vs Pembrolizumab as First-Line Treatment for PD-L1-Positive NSCLC
2. Brandão M. IASLC 2026 World Conference on Lung Cancer; OA14.06. Discussant
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