Anselamimab und Linvoseltamab

Zwei neue Antikörper für die Leichtketten-Amyloidose

2026 ASCO Annual Meeting
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Bei der AL-Amyloidose aggregieren Leichtketten zu amyloiden Fibrillen und lagern sich in Organen wie hier der Niere ab.

Die Gabe von Anselamimab könnte das Überleben von Erkrankten mit Leichtketten-Amyloidose verlängern – allerdings galt das in den CARES-Studien nur für Personen mit Kappa-Isotyp. Eine Linvoseltamab-Therapie wiederum war in der LINKER-AL2-Studie in der rezidivierten Situation der systemischen AL-Amyloidose wirksam.

Inhaltsverzeichnis

Die Standardtherapie für Patient:innen mit Leichtketten-Amyloidose (AL-Amyloidose) zielt auf die Behandlung der Plasmazelldyskrasie ab. Damit könne man allerdings die Amyloidlast in den Organen und Geweben nicht verringern, erläuterte Prof. Dr. Ashutosh D. Wechalekar, University College London Hospitals.1

Mit dem monoklonalen Antikörper Anselamimab ändert sich das womöglich – zumindest für Patient:innen mit einem bestimmten Subtyp. Die Substanz bindet an toxische amyloide Fibrillen und induziert eine Phagozytose. Sie wurde in den CARES-Studien gegen Placebo geprüft.

So waren die CARES-Studien designt

406 neu diagnostizierte Patient:innen im Mayo-Stadium IIIa oder IIIb erhielten 2:1 randomisiert Anselamimab oder Placebo. Gleichzeitig wurden sie mit einer Standard-Amyloidose-Therapie behandelt, meist bestehend aus Cyclophosphamid, Bortezomib und Dexamethason. Die Gabe von Daratumumab war erlaubt. Im Anschluss an die Therapiephase erfolgte eine Extensionsphase, in der Anselamimab open-label eingesetzt werden konnte. Der primäre Endpunkt setzte sich aus Gesamtmortalität (ACM) und der Häufigkeit kardiovaskulärer Hospitalisierungen (CVH) zusammen.

Personen mit Kappa-Isotyp profitieren von Anselamimab

Die Therapie mit Anselamimab beeinflusste die primären Endpunkte nicht signifikant. Die HR für ACM betrug 0,80 (p = 0,290), das Inzidenzrisikoverhältnis (Incidence Risk Ratio; IRR) für CVH lag bei 0,67 (p = 0,145). Betrachteten die Forschenden aber verschiedene Subgruppen, so gab es einen Vorteil für Patient:innen mit Kappa-Isotyp (HR ACM 0,38; p = 0,012; IRR CVH 0,29; p = 0,028). Für den Lambda-Isotyp galt das nicht.

Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich beim Gesamtüberleben. In der gesamten Studienpopulation unterschied sich das OS nicht zwischen den Armen; der Kappa-Isotyp hingegen schien von Anselamimab zu profitieren, mit einer Risikoreduktion um 62 %. In letzterer Subgruppe zogen beide Erkrankungsstadien – IIIa und IIIb – einen Benefit aus der Therapie.

Prof. Wechalekar erklärte das Ergebnis damit, dass Anselamimab besser an Kappa- als an Lambda-Fibrillen bindet. Die Substanz stelle potenziell eine neue Therapieoption für die neu diagnostizierte Kappa-AL-Amyloidose dar.

Linvoseltamab als Option für die rezidivierte Situation

Für Erkrankte mit rezidivierter oder refraktärer systemischer Leichtketten-Amyloidose wiederum könnte sich mit Linvoseltamab eine neue Option ergeben. Bisher gibt es für die Betroffenen keine zugelassene Behandlung, berichtete Prof. Dr. Hans C. Lee vom Sarah Cannon Research Institute, Nashville.2 Er präsentierte Daten aus der Phase-1/2-Studie LINKER-AL2.

An der Studie nahmen Patient:innen mit bestätigter AL-Amyloidose im Stadium I-IIIa teil. Sie erhielten Linvoseltamab nach einer initialen Step-up-Phase in zwei verschiedenen Dosierungen (80 mg/240 mg subkutan) zunächst einmal wöchentlich, von Zyklus 3–12 alle vier Wochen.

Eigenschaften von Linvoseltamab

Linvoseltamab ist ein gegen BCMA und CD3 gerichteter bispezifischer Antikörper, der eine T-Zell-vermittelte Plasmazelldepletion bedingt. Die Zulassung gilt bisher für das stark vorbehandelte rezidivierte/refraktäre Multiple Myelom.

Bisher erhielten 20 Patient:innen Linvoseltamab in Phase 1 der Studie. Dosislimitierende Toxizitäten gab es nicht, aber 13 Erkrankte (65 %) erlitten Nebenwirkungen (TEAE) vom Grad ≥ 3. Zwei Personen starben aufgrund von TEAE, eine weitere beendete die Therapie.

Die häufigsten TEAE umfassten Zytokinfreisetzungssyndrome (CRS; 50 %), Neutropenien (40 %) und infusionsbedingte Reaktionen (35 %). Die meisten CRS traten während der Step-up-Dosierung auf, alle erreichten nur einen Grad 1 oder 2. Eine Person erlitt ein ICANS vom Grad 1. 17 Behandelte entwickelten Infektionen, bei fünf Patient:innen erreichten diese mindestens Grad 3.

Tiefe hämatologische Remissionen erreicht

Auf die 240-mg-Dosierung sprachen alle Teilnehmenden mit einer kompletten Remission an. In der Gruppe derjenigen, die 80 mg erhalten hatten, gab es 71 % CR, der Rest bestand aus sehr guten partiellen Remissionen. Gleichzeitig kam es zu einer deutlichen Verringerung der freien Leichtketten. Nach rund zwei Wochen sank die mediane Konzentration auf < 20 mg/L.

Das hämatologische Ansprechen hielt an und vertiefte sich mit der Zeit. Zum Zeitpunkt der Datenanalyse – April 2026 – hatte keine Person einen hämatologischen Progress erlitten. 17 der 20 Patient:innen sind noch immer in der Studie eingeschlossen.

Linvoseltamab nützt auch Niere und Herz

„Das schnelle und tiefe hämatologische Ansprechen übersetzte sich in ein hohes Organansprechen“, konstatierte der Referent. Das Nierenansprechen belief sich auf 73 %, das kardiale Ansprechen auf 50 %.

Die Daten sprechen aus Expertensicht dafür, Linvoseltamab weiter bei Patient:innen mit AL-Amyloidose zu untersuchen. Wie Prof. Lee abschließend berichtete, läuft Phase 2 der Studie.

1. Wechalekar AD et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 7501

2. Lee HC für Wechalekar AD et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 7502

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