Inwiefern beeinflusst ein Lynch-Syndrom die Chemointensität?
Retrospektiv analysierten Forschende den adjuvanten Therapieverlauf bei CRC-Patient:innen mit und ohne Lynch-Syndrom. Die Ergebnisse deuten auf Verbesserungsbedarf hin.
Fast alle Kolorektalkarzinome bei Menschen mit Lynch-Syndrom sind mikrosatelliteninstabil und weisen einen Defekt der Mismatch-Reparatur auf (dMMR/MSI-H). Damit hat diese Gruppe ein niedriges Rezidivrisiko und profitiert nur beschränkt von einer Monochemotherapie. Ob Ärzt:innen dies bei der Therapieentscheidung ausreichend berücksichtigen, werteten Forschende um Prof. Dr. Christine M. Veenstra, University of Michigan, Ann Arbor, anhand von Informationen aus der SEER-Datenbank aus.
Was die Leitlinien bei genomischer Instabilität raten
Für die meisten CRC mit dMMR/MSI-H im Stadium II sehen die Empfehlungen keine adjuvante Chemotherapie vor. Im Stadium III sollten Erkrankte wiederum ein Fluoropyrimidin und Oxaliplatin erhalten.
Insgesamt analysierte das Team Daten von 2.770 CRC-Patient:innen, deren Tumor operativ entfernt wurde. Darunter waren 1.176 im Stadium II und 1.594 im Stadium III. 271 Personen hatten Genvarianten, die ein Lynch-Syndrom verursachen.
Testergebnis wirkte sich nicht auf die adjuvante Therapie aus
Die Intensität der adjuvanten Chemotherapie unterschied sich nicht signifikant zwischen Erkrankten mit Lynch-Syndrom und Patient:innen mit negativem genetischem Testergebnis. Dies galt sowohl im Stadium II als auch im Stadium III. Stattdessen erwies sich beispielsweise ein höheres Alter als Prädiktor dafür, keine oder eine weniger intensive Chemotherapie zu erhalten.
Für die Autor:innen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass viele Betroffene mit Lynch-Syndrom und Stadium-II-CRC im klinischen Alltag übertherapiert werden. Möglicherweise müsse man Ärzt:innen besser zur optimalen Therapie dieser Patient:innenpopulation schulen.
Veenstra CM et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 10608