Prostatakarzinom: Kognition leidet unter ARPI unterschiedlich
Die Therapiewahl beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom hängt auch vom jeweiligen Nebenwirkungsprofil der Substanzen ab. Die Phase-2-Studie ARACOG liefert nun Daten, wie sich die Kognition unter der Behandlung mit Darolutamid und Enzalutamid entwickelt.
Die Wahl des Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitors (ARPI) beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom wird auch vom jeweiligen Nebenwirkungsprofil der Substanzen beeinflusst. In der randomisierten Phase-2-Studie ARACOG verglichen Forschende die Entwicklung der Kognition unter der Therapie mit Darolutamid und Enzalutamid.
An der Studie nahmen 111 Erkrankte mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom (CRPC) oder mit metastasiertem hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) teil. Das mediane Alter der Teilnehmenden lag bei 71 Jahren. Randomisiert erhielten 55 Betroffene von den Studienverantwortlichen Darolutamid, 56 im Rahmen der Standardversorgung Enzalutamid.
Die kognitive Funktion wurde mit der computerbasierten Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB) und dem Functional Assessment of Cancer Therapy – Cognitive Function Issues (FACT-Cog) erhoben. Nach 12 und 24 Wochen war es den Teilnehmenden bei Verschlechterung der Kognition erlaubt, zur jeweils anderen Medikation zu wechseln.
Darolutamid schont die Kognition
Wie Prof. Dr. Alicia K. Morgans vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston berichtete, fiel die kognitive Funktion zu Studienbeginn in beiden Gruppen ähnlich aus. Nach 24 Wochen verglichen die Forschenden, in welcher Testdomäne der CANTAB sich die deutlichste prozentuale Veränderung einer kognitiven Funktion verzeichnen ließ. In der Darolutamid-Gruppe war das in den Bereichen visuelles Gedächtnis und Exekutivfunktion im PALFAM-Testmodul der Fall (-15,8 %), in der Enzalutamid-Gruppe in den Bereichen Arbeitsgedächtnis und Exekutivfunktion nach dem Spatial-Working-Memory-Test (-36,1 %; p = 0,009).
Die deutlichste Verschlechterung in einer Domäne schien mit Darolutamid geringer als mit Enzalutamid, schlussfolgerte Prof. Morgans. Die Veränderungen der einzelnen kognitiven Domänen über 24 Wochen hinweg deuteten auf einen Lerneffekt im Darolutamid-Arm hin, da die Werte leicht oder sogar deutlich verbessert waren. Ein Lerneffekt bei wiederholt durchgeführten Tests spreche für eine normale Kognition, sagte die Expertin. In der Enzalutamid-Gruppe zeigte sich bei gleichen Bedingungen über 24 Wochen hingegen nur ein stabiles oder leicht verschlechtertes Ergebnis in einzelnen kognitiven Domänen.
Kein Cross-over von Darolutamid zu Enzalutamid
Das Angebot eines Cross-overs hatte niemand in der Darolutamid-Gruppe wahrgenommen. Dagegen hatten 30 Personen der Enzalutamid-Gruppe die Therapie gewechselt. Für den Wechsel von Enzalutamid zu Darolutamid kann allerdings auch eine Rolle gespielt haben, dass Enzalutamid im Rahmen der normalen Verordnung in den USA ausgegeben wurde und damit für Behandelte eine finanzielle Belastung darstellte. Darolutamid wurde andererseits als Studienmedikation frei zur Verfügung gestellt, merkte Prof. Morgans an.
Morgans AK et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 5005