CIRCULATE: ctDNA taugt kaum als Chemo-Kompass nach Darmkrebs-OP
Auch die CIRCULATE-Studie bringt keine Klarheit darüber, ob sich der ctDNA-Nachweis eignet, um eine Entscheidung für oder gegen eine adjuvante Therapie nach einer Darmkrebsoperation zu treffen. Der prognostische Wert der ctDNA im Hinblick auf das Rezidivrisiko hingegen wurde erneut bestätigt.
Der prognostische Wert der ctDNA nach Resektion eines Kolonkarzinoms ist gut belegt. Ob sich damit aber auch die Entscheidung zur adjuvanten Chemotherapie (ACT) treffen lässt, ist unklar. Das ändert sich auch durch die Ergebnisse der deutsch-österreichischen randomisiert-kontrollierten Studie CIRCULATE nicht. Die Zahl der ctDNA-positiven Patient:innen war zu gering, sodass die Studie nicht ausreichend gepowert war und negativ ausfiel.
Die Finanzierung erfolgte über fünf Jahre durch das deutsche Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Als diese im Sommer 2025 auslief, war das Rekrutierungsziel von ctDNA-positiven Patient:innen nicht erreicht worden, berichtete Studienleiter Prof. Dr. Gunnar Folprecht von der TU Dresden.
Die meisten Erkrankten waren ctDNA-negativ
Er und sein Team hatten fünf und mehr Tage nach der Operation gewonnene Blutproben von 1.722 Personen mit Kolonkarzinom im Stadium II mit profizientem Mismatch-Repair und Mikrosatellitenstabilität analysiert. Die Forschenden nutzten dazu einen nicht kommerziellen, am Tumor orientierten Gentest (71- oder 19-Gen-Panel). 1.667 Teilnehmende hatten einen ctDNA-negativen und 55 einen ctDNA-positiven Befund (geplant waren 231).
Die ctDNA-positiven Personen wurden randomisiert in eine Gruppe, die nur beobachtet wurde, und eine, die eine ACT nach Wahl der Prüfärzt:innen erhielt (Capecitabin oder Capecitabin plus Oxaliplatin). ctDNA-negative Erkrankte bekamen keine ACT. Ein Viertel wurde der Beobachtungsgruppe zugelost, die übrigen schieden aus der Studie aus. Primärer Endpunkt war das krankheitsfreie Überleben (DFS) der ctDNA-positiven Patient:innen mit und ohne ACT in der Intention-to-Treat-Analyse.
Von den 55 ctDNA-positiven Teilnehmenden wurden 41 randomisiert: 26 in die ACT-Gruppe (21 erhielten tatsächlich eine ACT) und 15 in den Beobachtungsarm. Letzterer bestand insgesamt aus 287 Personen.
Weshalb fiel die Studie zur Adjuvanz negativ aus?
In der Beobachtungsgruppe bestätigte sich die prognostische Bedeutung der ctDNA-Positivität. Die Wahrscheinlichkeit für ein krankheitsfreies Überleben (DFS) war bei ctDNA-negativen Patient:innen mehr als sechsmal höher als bei ctDNA-positiven (HR 6,32; 95%-KI 2,88–13,9; p < 0,001), die Überlebenswahrscheinlichkeit (OS) mehr als siebenfach höher (HR 7,14; 95%-KI 1,68–30,5; p = 0,001).
Bei den ctDNA-positiven Erkrankten ergab die Per-Protokoll-Analyse einen signifikanten Vorteil in der Drei-Jahres-DFS-Rate, wenn sie eine ACT erhalten hatten (77 % vs. 38 % mit alleiniger Beobachtung; HR 0,31; 95%-KI 0,09–1,03; p = 0,021). In der Intention-to-Treat-Analyse fiel der Effekt der adjuvanten ACT bei ctDNA-Positivität nicht signifikant aus. Die Drei-Jahres-DFS-Raten beliefen sich hier auf 61 % vs. 38 % (HR 0,55; 95% KI 0,21–1,48; p = 0,12).
Damit muss die Studie als negativ gewertet werden. Die Ergebnisse sprächen wegen des Unterschieds in der Per-Protokoll-Analyse dennoch dafür, eine ACT bei ctDNA-positivem Befund nach der Kolonkarzinom-OP zu erwägen, erklärte Prof. Folprecht.
Folprecht G et al. 2026 ASCO Annual Meeting; LBA3500