Gleich viel Schmerzen, weniger Opioide

Gabapentin als Koanalgetikum bei schmerzhafter oraler Mukositis?

2026 ASCO Annual Meeting
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
Jeweils ca. die Hälfte der Teilnehmenden hatte Tumoren innerhalb bzw. außerhalb der Mundhöhle.

Da der Schmerz bei einer chemoradiotherapiebedingten oralen Mukositis eine neuropathische Komponente aufweist, hofften Forschende auf einen lindernden Effekt von Gabapentin. Studienergebnisse aus GABA zeigen nun Chancen und Grenzen der Substanz auf.

Gabapentin und Tramadol lindern mukositisassoziierte Schmerzen, die unter einer Chemoradiotherapie von Kopf-Hals-Tumoren entstehen, nicht effektiver als Tramadol allein – dieses enttäuschende Ergebnis präsentierte Prof. Dr. Minit Jalan Shah, Tata Memorial Centre, Mumbai. Allerdings benötigten deutlich weniger Behandelte eine Eskalation der Schmerztherapie mit starken Opioiden.

An der unverblindeten, randomisierten Phase-3-Studie GABA beteiligten sich 154 Patient:innen mit Kopf-Hals-Tumoren, die eine definitive oder adjuvante Chemoradiotherapie erhielten. Alle von ihnen wiesen bereits eine strahleninduzierte orale Mukositis vom Grad ≥ 1 und damit assoziierte Schmerzen auf. Zu deren Behandlung bekamen sie ein Lokalanästhetikum sowie 50 mg Tramadol dreimal täglich, mit oder ohne Gabapentin in eskalierenden Dosen (maximal 1.800 mg täglich).

 

Dreimal seltener Notfalleinsatz von starken Opioiden

Zusätzliches Gabapentin reduzierte weder unmittelbar am ersten Tag noch nach einer Woche selbstberichtete Schmerzen gegenüber der Kontrollgruppe. Allerdings sanken die Schmerzwerte auf einer visuellen Analogskala in beiden Armen über die Zeit. Mit Tramadol allein benötigten 29 von 75 Teilnehmenden (38,7 %) während der Chemoradiotherapie eine Rescue-Analgesie mit starken Opioiden, im Prüfarm waren es nur 9 (12,0 %; p < 0,001).

 

Gabapentin verursachte Somnolenz und Schwindel

Unabhängig vom Toxizitätsprofil der Chemoradiotherapie verursachte Gabapentin auch eigene Nebenwirkungen. Das umfasste v. a. Somnolenz und Schwindel, aber in seltenen Fällen auch Ataxie, Tremor und Gewichtszunahme. „Keines dieser Ereignisse erreichte Grad 3 oder höher und sie wurden konservativ gemanagt", merkte der Experte an. Zudem beeinflusste die Hinzunahme von Gabapentin die Lebensqualität nicht negativ. Der Referent sah aber einen Trend zu weniger Schmerzen, weniger Fatigue und besserem Schlucken.

„Angesichts der Toxizität starker Opioide und der Zugangshindernisse dazu könnte eine gabapentinbasierte Analgesie eine sichere, pragmatische und klinisch relevante opioidsparende Strategie während der gleichzeitigen Chemoradiotherapie darstellen“, fasste Dr. Shah zusammen. Andere RCT stützten ebenfalls eine Reduktion des Opioidbedarfs und teilweise sogar eine Verbesserung der Lebensqualität. Der Experte merkte allerdings an, dass sie in ihrer eigenen Studie nur den kurzfristigen Schmerzverlauf verfolgten, was eventuell nicht die kumulative Symptomlast widerspiegle.

Shah MJ et al. 2026 ASCO Annual Meeting; LBA12001

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