Intervention für Brustkrebserkrankte mit Übergewicht

Abnehmen steigert die Lebensqualität

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Übergewicht bei Diagnose erhöht die allgemeine und brustkrebsspezifische Mortalität.

Die zweijährige Abnehmintervention aus der BWEL-Studie verbesserte Lebensqualität, körperliche Funktion und Fatigue übergewichtiger Brustkrebspatient:innen. Eine befragte Expertin sieht Potenzial, besonders für Personen unter Hormontherapie.

Offenbar kann eine telefonisch betreute Lebensstilintervention übergewichtigen Brustkrebspatient:innen nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch die Lebensqualität nachhaltig verbessern, berichtete Prof. Dr. Jennifer A. Ligibel, Dana-Farber Cancer Institute, Boston, beim 2026 ASCO Annual Meeting. In der Studie BWEL erhielten Erkrankte mit HER2- Mammakarzinomen im Stadium II–III und einem BMI ≥ 27 kg/m2 Gesundheits­informationen zu Bewegung und Ernährung, die Hälfte zusätzlich ein 24-monatiges lebensstilbasiertes Abnehmprogramm. Als Teil des Programms wurde Erkrankten ein Coach zugeteilt, mit dem sie sich im Verlauf bis zu 42-mal telefonisch austauschten. Nach zwölf Monaten hatten Teilnehmende im Interventions­arm 5,7 % des Ausgangsgewichts gegenüber der Kontrollgruppe verloren.

Besserer Gesundheitszustand über zwei Jahre hinweg

Nun stellte die Expertin Daten zu sekundären Endpunkten vor. Nach sechs Monaten hatten Personen im Interventionsarm einen signifikant besseren körperlichen und mentalen Gesundheitszustand. Auch Scores für Physical Functioning sowie die soziale Rollenfunktion und Aktivität fielen gegenüber der Kontrolle signifikant besser aus (jeweils p < 0,001). Nicht zuletzt gab die Gruppe, die die Intervention erhielt, nach sechs Monaten geringere Werte für Fatigue an (p = 0,01), wobei der Unterschied nach 24 Monaten nicht mehr signifikant ausfiel. Die restlichen Verbesserungen blieben auch nach zwei Jahren erhalten. Kein signifikanter Effekt fand sich hingegen bei Angst, Depression, Schlafstörungen und Beeinträchtigungen durch Schmerzen.

„Eine telefonbasierte Abnehmintervention führte bei Patient:innen mit Brustkrebs und Übergewicht oder Adipositas zu signifikanten Verbesserungen bei der körperlichen Funktionsfähigkeit und weiteren Indikatoren der Lebensqualität“, fasste Prof. Ligibel zusammen. Diese günstigen Effekte hielten über zwei Jahre hinweg an. Die Beobachtung der BWEL-Teilnehmenden werde fortgesetzt, um Effekte der Intervention auf das invasive krankheitsfreie Überleben und weitere Outcomes zu dokumentieren.

"Wichtig ist die Kombination aus gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität"

Porträt von Prof. Dr. Jutta Hübner
© UKJ/Schroll
Prof. Dr. Jutta Hübner, Universitätsklinikum Jena; Klinik für Innere Medizin II

An der BWEL-Studie nahm eine große Zahl von Patient:innen unter sehr gut überwachten Bedingungen teil, lobte Prof. Dr. Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena, eine Koordinatorin der S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“, im Interview. Die Betroffenen wurden mit einer Kombination aus Ernährungsmanagement und körperlicher Aktivität langsam zum Abnehmen gebracht.

Die Ergebnisse weckten Hoffnung, dass eine Gewichtsreduktion mit solchen Programmen gelingen kann. „Und es sieht ja auch so aus, als wenn das durchaus nicht nur machbar, sondern auch mit der Lebensqualität vereinbar ist“, schilderte die Kollegin. Für besonders wichtig hält sie die sorgfältige Überwachung im Programm und die Kombination aus gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität.

Brustkrebspatient:innen befänden sich durchaus in einer besonderen Situation, merkte die Expertin an. „Wir haben immer vor Augen, dass Krebspatient:innen abnehmen. Aber hier haben wir Therapieelemente, wie zum Beispiel die antihormonelle Therapie, die dazu führen, dass die Frauen zunehmen.“ Sie vermutet ähnliche Effekte einer Abnehmintervention bei anderen Krebserkrankungen, die mit hormonellen Veränderungen einhergehen. Das beträfe z. B. Prostatakarzinom­erkrankte unter antihormoneller Therapie oder Betroffene mit gynäkologischen Tumoren, die durch die Behandlung in die Wechseljahre kommen.

Unmittelbar vor oder während einer sehr aktiven Therapiephase wie Chemotherapie oder OP würde Prof. Hübner wiederum keinen gezielten Gewichtsverlust anstreben. Dennoch rät sie Patient:innen auch in dieser Phase zu körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung. Nach Abschluss der Akutbehandlung könne man dann unter kontrollierten Bedingungen versuchen, ein bestehendes Übergewicht zu reduzieren.

Ligibel J et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 12010

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