O-Ton Onkologie, Folge 71

Cisplatin-induzierte Ototoxizität bei Kindern

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Bis zu 50% der krebskranken Kinder entwickeln unter Cisplatin-Therapie irreversible Hörschäden. Besonders gefährdet sind Kinder unter fünf Jahren, da sich ihr Innenohr noch in der Entwicklung befindet.

© Dr. med. Urs Mücke
Dr. med. Urs Mücke

Das Problem: Der Hörverlust beginnt hochfrequent außerhalb des Sprachbereichs und bleibt lange unbemerkt. Erst später zeigen sich dramatische Auswirkungen auf Sprachentwicklung und Schulleistungen. Neben dem jungen Alter erhöhen die kumulative Cisplatin-Dosis und bestimmte Begleitmedikationen das Risiko erheblich.

Mit Natriumthiosulfat steht erstmals eine Präventionsstrategie zur Verfügung, die das Risiko um etwa 50% reduziert. Die Substanz muss sechs Stunden nach Cisplatin-Gabe appliziert werden und ist nur bei nicht-metastasierten Erkrankungen zugelassen. Entscheidend ist ein strukturiertes Hörmonitoring mit altersgerechten Prüfungen vor, während und nach der Therapie. Die erfolgreiche Versorgung erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kinderonkolog:innen, HNO-Ärzt:innen, Logopäd:innen und pädagogischen Fachkräften. Während genetische Risikotests noch experimentell sind, bleibt die frühzeitige Erkennung und Intervention essenziell, um Entwicklungsfolgen zu vermeiden. Dr. Urs Mücke betont: „Wir behandeln nicht für Statistiken, sondern für Lebensqualität.“

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