Nicht-melanozytärer Hautkrebs auf dem Vormarsch

Inzidenz steigt, Mortalität bleibt stabil

22nd EADO Congress
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Wirksame Therapien halten die Mortalität bei kutanen Karzinomen stabil – Primärprävention bleibt dennoch unverzichtbar.

Die Systemtherapie von Nicht‑Melanom‑Hautkrebs hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Angesichts steigender Inzidenzen darf man die Prävention aber keinesfalls vernachlässigen, mahnte eine Expertin.

Kutane Karzinome nehmen jährlich um 2–6 % zu und damit stärker als das maligne Melanom, so Prof. Dr. Alexander J. Stratigos, Andreas-Sygros-Krankenhaus, Universität Athen.1 Besonders ausgeprägt sei der Anstieg beim kutanen Plattenepithelkarzinom (cSCC). Dass die Mortalität von Nicht‑Melanom‑Hautkrebs (NMSC) insgesamt niedrig, stabil oder sogar rückläufig bleibt, sei den wirksamen Behandlungsmöglichkeiten zu verdanken. Dennoch dürfe man das Feld der Primärprävention keinesfalls vernachlässigen, betonte Prof. Dr. Dr. Lieve Brochez, Universitätsklinikum Ghent.2

Plattenepithelkarzinome der Haut: Risikostratifizierung entscheidend

Die Behandlung des NMSC ist heute geprägt von einer multidisziplinären Versorgung und biomarkerbasierten, Response-gesteuerten und patient:innenorientierten Therapieentscheidungen, erklärte Prof. Stratigos. Für das cSCC zeigen umfangreiche Real‑World‑Daten, dass rund 8 % der Tumoren bereits lokal fortgeschritten sind. Es bestehe eine Behandlungslücke, da die Operation weiterhin das dominierende Verfahren darstelle und etwa 20 % der Patient:innen unbehandelt blieben.

Für entscheidend hält der Experte die präzise Risikostratifizierung. Aktuellen Leitlinien zufolge gelten u. a. ein Tumordurchmesser > 2 cm, eine Tumordicke > 6 mm, eine Invasion über das subkutane Fettgewebe hinaus, geringe Differenzierung sowie Immunsuppression als Merkmale eines Hochrisikotumors. Es gebe Hinweise, dass die Einbindung molekularer Marker – etwa eines 40‑Gen‑Expressionsprofils (40‑GEP) – die Unterscheidung zwischen niedrigem, intermediärem und hohem Metastasierungsrisiko weiter verfeinern könne. Die Kombination aus molekularer Testung und klassischen Staging‑Systemen habe das Potenzial, die Prognoseabschätzung und Therapieplanung deutlich zu verbessern. „Wir brauchen jedoch große prospektive Studien mit Einbindung von Real‑World‑Daten“, betonte Prof. Stratigos.

Chirurgie und systemische Therapie beim cSCC

Bei der chirurgischen Resektion eines cSCC müssten Ärzt:innen besonders auf klare Resektionsränder achten, mahnte der Experte. Eine aktuelle retrospektive Kohortenstudie zeige, dass die Mohs‑Chirurgie mit vollständiger Schnittrandkontrolle gegenüber der Wide Local Excision (WLE) eine rund 50 % niedrigere Rezidivrate und einen deutlichen Rückgang krankheitsspezifischer Tumorfälle aufweise.

Die systemische Therapie des cSCC erlebte mit der Einführung von PD(-L)1-Inhibitoren große Fortschritte, konstatierte Prof. Stratigos; in der EU sei aktuell Cemiplimab in der lokal fortgeschrittenen/metastasierten und neuerdings auch in der adjuvanten Situation zugelassen. Zulassungen weiterer Substanzen wie Cosibelimab würden erwartet.

Bei refraktären Erkrankungen scheinen laut dem Referenten Kombinationen aus PD(-L)1-Inhibitoren und EGFR-Inhibitoren „der Schlüssel“ zu einem besseren Outcome nach der initialen Immuntherapie zu sein. Zudem bestätige sich die auch vom Melanom bekannte Erkenntnis, dass die Immuntherapie besonders effektiv wirke, wenn sie neoadjuvant verabreicht werde. Es lägen vielversprechende Daten mit Cemiplimab und Nivolumab, vor allem aber mit der Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab in der Neoadjuvanz vor.

Primärprävention ist das A & O

UV‑Exposition bleibt der zentrale Treiber für Hautkrebs, betonte Prof. Brochez. Sie werde vor allem durch verändertes Freizeit‑ und Sonnenverhalten bestimmt; inzwischen komme ein zusätzlicher Einfluss des Klimawandels hinzu. Vor dem Hintergrund, dass gerade in Europa bis 2050 mit einem weiteren Anstieg der Hautkrebsfälle gerechnet wird, fasste die Kollegin die Empfehlungen für optimalen Sonnenschutz prägnant zusammen: Sonnenbaden und Bräunen vermeiden, keine Solarien. Außerdem solle man den Schutz am aktuellen UV‑Index ausrichten (z. B. über die App SunSmart):

  • UV‑Index 1–2: kein Schutz erforderlich

  • UV‑Index 3–7: mittags Schatten aufsuchen, schützende Kleidung tragen, Sonnencreme mit hohem LSF auftragen, Hut tragen

  • UV‑Index 8–11: zusätzliche Maßnahmen zwingend erforderlich: Aufenthalt im Freien zur Mittagszeit vermeiden, konsequent Schatten suchen, Kleidung, Sonnencreme und Hut sind „ein Muss“

Zugleich erinnerte Prof. Brochez daran, dass Sonnencreme weniger zuverlässig schützt als Kleidung und zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen kann.

Neue Entwicklungen beim Basalzellkarzinom

Beim Basalzellkarzinom (BCC), dem häufigsten malignen Hauttumor, hat die systemische Therapie mit Hedgehog(HH)-Inhibitoren im Stadium II–IV einen hohen Stellenwert. Sie wird im Falle von Kontraindikationen, Therapieversagen oder Intoleranz durch eine Immuntherapie ersetzt. In Studien testen Forschende laut Prof. Stratigos aktuell Kombinationen aus HH-Inhibition mit CPI oder Strahlentherapie. Ferner gibt es Studien zu Kombinationen verschiedener Checkpoint-Inhibitoren, Immuntherapien mit Interleukin sowie onkolytischen Viren – auch in Kombination mit einer Checkpoint-Inhibition.

1. Stratigos A. 22nd EADO Congress; Vortrag „Non-melanoma Skin Cancer: What's new?“

2. Brochez L. 22nd EADO Congress; Vortrag „Skin Cancer Epidemiology and Prevention in the Era of Climate Change“

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