30 Jahre Göteborg-1

PSA-Screening mit bleibender Wirkung — und Schattenseite

41st Annual EAU Congress
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Die Number needed to invite, um einen PCa-Todesfall zu verhindern, sank in der zweiten Hälfte des Follow-ups von 311 auf 161, die Number needed to diagnose von 13 auf 6.

Bei erhöhtem PSA sofort systematisch zu biopsieren, senkte in der Screeningstudie Göteborg-1 die Prostatakrebsmortalität nachhaltig — zu Lasten einer hohen Rate an Überdiagnosen. Immerhin: Nach 30 Jahren war die Number needed to invite auf 161 gesunken.

Ab Januar 1995 erhielten rund 10.000 in der schwedischen Stadt Göteborg lebende Männer im Alter von 50 bis 64 Jahren ein regelmäßiges Angebot zum PSA-Screening, das mit dem 70. Lebensjahr endete. Überschritt dabei der PSA-Wert 3 ng/ml, folgte direkt eine Einladung zur systematischen Biopsie. Die ähnlich große Kontrollgruppe erhielt keine Einladungen, war aber opportunistischen Screening-Angeboten ausgesetzt, betonte Prof. Dr. Jonas Hugosson von der Universität Göteborg. Diagnosen und Todesfälle wurden per schwedischem Krebsregister ermittelt.

In die vorgestellte Analyse mit 30 Jahren Follow-up schlossen die Forschenden zusätzlich zwei hypothetische Arme mit ein:

  1. Ein Szenario ohne opportunistisches Screening in der Kontrollgruppe (basierend auf nationalen Daten von 1990—1994)

  2. Eine Simulation mit weit verbreitetem opportunistischem Screening in der Kontrollgruppe (Datenbasis 2015—2019)

Im Hinblick auf die Prostatakrebs(PCa)-Inzidenz trennten sich die „echten“ randomisierten Studienarme früh und blieben über 30 Jahre hinweg getrennt. Die tatsächliche Krebshäufigkeit in der Kontrollgruppe war beinahe identisch mit der Simulation eines weit verbreiteten Screenings, während das theoretische Szenario ohne opportunistisches Screening deutlich unter der gemessenen Inzidenz lag.

Die PCa-Mortalität begann nach etwa sieben bis acht Jahren in der Kontrollgruppe den Wert der Screeninggruppe zu übersteigen. Wieder blieb der Unterschied über die 30 Jahre Follow-up hinweg bestehen. Etwa 15 Jahre lang entsprach die gemessene PCa-Sterblichkeit der Simulation ohne opportunistisches Screening, dann blieb sie dahinter zurück. Die simulierte Analyse mit opportunistischem Screening verlief weitgehend überlappend mit den Ergebnissen der Interventionsgruppe. Ab einem Startalter der Teilnehmenden von 60 Jahren war im Screeningarm kein Vorteil bei der PCa-Mortalität mehr zu erkennen.

Im Verlauf der Nachverfolgung steigerte sich die absolute Risikoreduktion der Screeninggruppe, an PCa zu sterben, von 0,32 % nach 15 Jahren sukzessive auf 0,62 % nach 30 Jahren. Beim Ratenverhältnis verringerte sich der Unterschied zwischen den Gruppen, es betrug nach 15 Jahren 0,61 und stieg auf 0,79 (95%-KI 0,67—0,94) nach 30 Jahren. Die Number needed to invite, um einen PCa-Todesfall zu verhindern, sank in der zweiten Hälfte des Follow-ups von 311 auf 161, die Number needed to diagnose von 13 auf 6.

Solch eine niedrige Number needed to invite sei in keinem anderen Krebsscreening erreicht worden, betonte Prof. Hugosson. „Die Number needed to diagnose von 6 entspricht dem Brustkrebsscreening. Es dauerte aber länger, bis sie erreicht wurde“, stellte er fest.

Die Strategie einer Biopsie für alle Personen mit erhöhtem PSA sei allerdings mit einer hohen und permanenten Rate an Überdiagnosen einhergegangen. In neueren Screeningstudien sollten daher risikoangepasste Vorgehensweisen und selektivere Biopsien zum Einsatz kommen. „Wichtig ist aber, dass die Diagnose früh genug erfolgen muss; in einem Zeitfenster, in dem noch eine Heilungschance besteht“, hob Prof. Hugosson hervor.

Hugosson J. 41st Annual EAU Congress; Abstract GC26-002

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