„Entwarnung“ für Überlebende nach primärem Mammakarzinom
Die Sterblichkeit ist beim Mammakarzinom in den letzten Jahrzehnten gesunken. Damit rücken Fragen in den Vordergrund, die langfristig Überlebende betreffen – etwa das Risiko eines Zweitmalignoms.
Viele bisherige Studien sind u. a. aufgrund eines begrenzten Umfangs oder kurzen Studienintervalls nicht aussagekräftig genug, schreiben Paul McGale von der University of Oxford und sein Team. Laut ihrer Analyse entwickelten Frauen nach einer Brustkrebsdiagnose in der Folge nur etwas häufiger als die Allgemeinbevölkerung einen Tumor.
Die Kohortenstudie basiert auf der Datenbank des National Disease Registration Service for England. Diese enthält u. a. Einträge zu mehr als 475.000 Frauen, die im Alter zwischen 20 und 75 Jahren die Erstdiagnose invasives Mammakarzinom erhalten hatten.
Rate für einen Zweittumor ist um 3 Prozentpunkte erhöht
Innerhalb der folgenden 20 Jahre zeigte sich bei knapp 6 % dieser Frauen ein Zweittumor in der kontralateralen Brust. Ausgehend von den Zahlen für die Allgemeinbevölkerung (3 %), entspricht dies einer Risikoerhöhung um drei Prozentpunkte – bei jungen Frauen etwas mehr. Einen anderen, nicht in der Brust lokalisierten Primärtumor entwickelten knapp 14 % der Patientinnen. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als für die Allgemeinbevölkerung erwartet (12 %). Die Zweittumoren betrafen vor allem Uterus (exkl. Zervix) und Lunge. Absolut gesehen lagen die Risikoerhöhungen, Karzinome außerhalb der Brust zu entwickeln, aber jeweils unter 1 %, schreiben die Forschenden. Den Hauptanteil an der Erhöhung insgesamt hatten kontralaterale Läsionen (60 %).
Zwar waren manche adjuvante Therapien mit der Entwicklung von Sekundärtumoren assoziiert, aber auch diese Risiken blieben im Schnitt gering:
Eine Radiotherapie ging mit einem höheren Risiko für kontralateralen Brustkrebs oder ein Lungenkarzinom einher.
Nach einer Hormonbehandlung traten häufiger ein Gebärmutterkarzinom, aber seltener kontralaterale Tumoren auf.
Eine Chemotherapie erhöhte die Gefahr u. a. für eine Leukämie.
Allerdings fand man erstmals Hinweise darauf, dass adjuvante Therapien positiv mit dem Risiko für Weichgewebstumoren, Kopf- und Halstumoren, Eierstock- und Magenkrebs assoziiert sind. Insgesamt stellte das Autorenteam nur für etwa 2 % der Sekundärtumoren in der Studienpopulation einen möglichen Zusammenhang her.
Realistische Aufklärung von Betroffenen gewünscht
Nach einer Krebsdiagnose bleibt bei vielen nach dem anfänglichen Fokussieren auf das Überleben eine große Furcht vor weiteren Malignomen bestehen, schreiben unter anderem zwei ehemalige Brustkrebspatientinnen in einem Kommentar zur Studie. Ihrer Erfahrung nach liegt das daran, dass Laien eine Brustkrebsdiagnose oft als Anfälligkeit gegenüber Krebserkrankungen generell interpretieren. Dem widersprechende Ergebnisse und Hochrechnungen wie jene von McGale et al. seien daher sehr wichtig, da sie Frauen in den Jahren nach der Krebstherapie Sicherheit geben und ihnen dabei helfen, ihre Situation realistischer einzuordnen. Zudem können sie auch die Angst vor adjuvanten Therapien nehmen.
Quellen:
1. McGale P et al. BMJ 2025; 390: e083975; doi: 10.1136/bmj-2024‑083975
2. MacKenzie M et al. BMJ 2025; 390: r1584; doi: 10.1136/bmj.r1584