Gewicht und Bewegung als Stellschrauben

Wie der Lebensstil bei Brustkrebs die Prognose beeinflusst

ESMO Breast Cancer Congress 2026
|Erschienen am: 
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Viele Risikofaktoren lassen sich durch den Lebensstil beeinflussen.

Adipositas verschlechtert die Prognose von Mammakarzinompatient:innen und Erkrankte sollten eine exzessive Gewichtszunahme vermeiden. Unklar bleibt jedoch, inwiefern sich die Therapie nach dem BMI optimieren lässt. Unbestritten ist mittlerweile der Nutzen von Bewegung in allen Stadien.

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Das Risiko postmenopausaler Frauen, an ER+ Mammakarzinomen zu erkranken, steigt nichtlinear mit dem BMI, ebenso wie die brustkrebsbedingte Sterblichkeit für alle Subtypen, erinnerte Prof. Dr. Neil M. Iyengar vom Winship Cancer Institute der Emory-Universität in Atlanta.1 Darüber hinaus geht laut einer großen Metaanalyse auch eine Gewichtszunahme nach der Diagnose mit einer erhöhten krankheitsbedingten und allgemeinen Mortalität einher.

Nicht mehr als 10 % des Ausgangsgewichts zunehmen

Eine schlechtere Prognose hatten vor allem diejenigen, die mehr als 10 % ihres Körpergewichts zulegten. „Ich würde es als Richtwert sehen, eine Zunahme von mehr als 10 % des Ausgangsgewichts zu vermeiden“, kommentierte der Referent. In einer ähnlichen Größenordnung verortete er wiederum auch die Gewichtsreduktion, die es braucht, um das eigene Mammakarzinomrisiko zu senken bzw. Outcomes zu verbessern.

„Unsere Therapien verschlimmern die metabolische Dysfunktion“

Wie Prof. Iyengar beschrieb, erweist sich dieses Thema als klinisch relevant, da viele Betroffene unter der Behandlung zunehmen. Dies sei allerdings individuell hochvariabel und setze sich besonders unter einer Endokrintherapie über Jahre fort.

Nach einer Chemotherapie verschlechterten sich in einer Studie außerdem fast alle betrachteten metabolischen Parameter, darunter der Körperfettanteil, der Lipidstoffwechsel und die Insulinsensitivität (gemessen an Insulinresistenz-Score, HbA1c und Nüchternglukose). Die Effekte bildeten sich auch nach Therapieende nicht spurlos zurück: „Viele dieser metabolischen Veränderungen übersetzten sich in ein Langzeitrisiko für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen.“

Manche Behandlungen wirken bei Adipositas schlechter

Nicht zuletzt gibt es Hinweise darauf, dass das Ansprechen auf bestimmte Krebstherapien vom BMI abhängt. Beispielsweise erreichte eine taxanhaltige Chemotherapie bei adipösen Behandelten ein kürzeres krankheitsfreies Intervall als bei Normalgewichtigen. In der Kontrollgruppe ohne Taxan zeigte sich hingegen kein signifikanter Unterschied. „Die Frage ist nicht, ob wir Chemotherapien verwenden sollten, die nicht vom BMI beeinflusst werden, sondern ob wir die Individuen identifizieren können, die aufgrund ihres BMI oder ihrer metabolischen Gesundheit ein erhöhtes Risiko unter einer bestimmten Therapie haben“, ordnete Prof. Iyengar ein. Das sei ein weiterer Schritt hin zur individualisierten Versorgung.

Endokrintherapie nach der Waage wählen?

Im Bereich der Endokrintherapie ging bei Frauen mit BMI > 35 in der ATAC-Studie der Effektivitätsvorteil von Anastrozol gegenüber Tamoxifen verloren. Hier sei die Datenlage aber noch uneindeutiger und hänge eventuell auch vom Wirkstoff ab. Prof. Iyengar bremste: „Ich glaube nicht, dass wir schon die Endokrintherapie nach dem BMI auswählen können.“

Abschließend wies Prof. Iyengar darauf hin, dass sich viele Risikofaktoren mit Lebensstilinterventionen adressieren lassen. So senkt körperliche Aktivität sowohl das Risiko vieler Krebserkrankungen als auch die brustkrebsspezifische Mortalität (HR ca. 0,6). „Wenn wir eine solche Hazard Ratio für ein Medikament hätten, würde es sofort zugelassen, verschrieben und in die Leitlinien aufgenommen.“

Im Folgenden ging Prof. Dr. Anne M. May, The Netherlands Cancer Institute, Amsterdam, darauf ein, wie Erkrankte konkret von Bewegungsinterventionen profitieren.2 Schon in der ASCO-Leitlinie von 2022 wird klar empfohlen, Patient:innen während einer aktiven, kurativ intendierten Brustkrebstherapie zu regelmäßigem aeroben und Widerstandstraining zu raten. Wie die Expertin erinnerte, verbessern Trainingsinterventionen nachgewiesenermaßen:

Ein Nutzen in vielen weiteren Bereichen liegt nahe, konnte allerdings bisher nicht durch ausreichende Evidenz gestützt werden.

Jede Form der Bewegung hilft

In einer Metaanalyse von gut 3.000 Brustkrebserkrankten aus 21 RCT, die eine Chemotherapie erhielten, zeigte sich ein geringer bis moderater, aber signifikanter Effekt von Trainingsinterventionen auf die Lebensqualität (Effektgröße g = 0,434). Dies galt gleichermaßen für die mentale und physische Gesundheit. Auch spielte es offenbar keine Rolle, ob es sich um aerobe Belastungen, Krafttraining oder beides zusammen handelte. Somit bieten alle drei Varianten signifikante Vorteile, fasste die Referentin zusammen. „Die optimale Modalität ist die, die Patient:innen während der Chemotherapie aushalten können.“

Wie das Bewegungsprogramm aussehen sollte

Laut Prof. May sollten Ärzt:innen Folgendes empfehlen:

  • Aerobes Training

    • 3-mal wöchentlich

    • 30 Minuten pro Einheit

    • mindestens moderate Intensität

  • Kraft-/Widerstandstraining

    • 2-mal wöchentlich

    • 30 Minuten pro Einheit

    • 2–3 Sets, große Muskelgruppen

Unklar blieb bei Erstellung der Leitlinie noch, ob auch Patient:innen mit metastasierter Erkrankung profitieren. An der PREFERABLE-EFFECT-Studie nahmen 357 Betroffene mit Mammakarzinom im Stadium IV teil und erhielten ein neunmonatiges angeleitetes und individualisiertes Trainingsprogramm. Dieses umfasste aerobe Belastung, Widerstandstraining und Gleichgewichtsübungen. Sowohl Fatigue als auch Lebensqualität fielen in der Interventionsgruppe nachhaltig besser aus. Auch weitere positive Effekte traten auf, z. B. verbesserten sich Körperzusammensetzung, Muskelkraft und Gleichgewicht. Teilnehmende, die das Training erhielten, klagten zudem weniger über Nebenwirkungen der Chemotherapie, Schmerzen und Dyspnoe. Nicht zuletzt gab es positive Effekte bei Sozial- und Rollenfunktion sowie der sexuellen Gesundheit.

Überlebensvorteil bei Darmkrebs – und beim Mammakarzinom?

Verbessert körperliche Aktivität auch die Überlebenschancen? Während brustkrebsspezifische RCT-Daten dazu fehlen, führte eine dreijährige strukturierte Intervention beim CRC (Stadium II + Hochrisiko/III) zu einer Verlängerung des PFS und OS, die etablierten Medikamenten gleichkommt, berichtete Prof. May (Mehr zur CHALLENGE-Studie und Bewegungsinterventionen). Damit sei körperliches Training nicht mehr nur eine Lebensqualitätsintervention, sondern eine darmkrebsspezifische Therapie und sollte allen Patient:innen zur Verfügung gestellt werden.

Die Kollegin vermutete, dass sich auch beim Mammakarzinom positive Effekte auf die Prognose ergeben, unter anderem deshalb, weil in CHALLENGE seltener neue Primärtumoren inklusive Brustkrebs auftraten. Auch beschreibende Daten und eine eigene Post-hoc-Metaanalyse fünfer Mammakarzinomstudien sprächen für eine verringerte Mortalität mit Bewegungsinterventionen.

Körperliches Training während der Brustkrebstherapie hat zahlreiche positive Effekte auf Nebenwirkungen, körperliche Fitness, soziale Funktion sowie Lebensqualität und beeinflusst vermutlich sogar die Prognose, resümierte Prof. May. „Empfehlen Sie körperliches Training und überweisen Sie Patient:innen während ihrer Therapie, wenn möglich, an bewegungstherapeutische Spezialist:innen.“

1. Iyengar NM. ESMO Breast Cancer Congress 2026; Vortrag „Lifestyle and breast cancer: What the evidence tells us (focus on evidence from population data and also some mechanistic data)“

2. May AM. ESMO Breast Cancer Congress 2026; Vortrag „From clinic to life: Integrating lifestyle interventions in oncology care (focus on data from randomized controlled trials)“

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