Wovon Personen mit GEJ-Adenokarzinom am meisten profitieren
ESOPEC lieferte erste entitätsspezifische Daten zur Therapiewahl bei Adenokarzinomen des gastroösophagealen Übergangs, lässt aber die Rolle der Immuntherapie offen. Wie ein praxisnaher Entscheidungsalgorithmus aussehen könnte.
In den meisten Studien wurden Adenokarzinome des gastroösophagealen Übergangs entweder mit Ösophaguskarzinomen oder Magenkarzinomen in einen Topf geworfen, schilderte PD Dr. Sara de Dosso, Istituto Oncologico della Svizzera Italiana (IOSI), Bellinzona, wodurch sich eine Vielzahl möglicher Regime ergibt. In der Phase-3-Studie ESOPEC verglichen Forschende dann spezifisch für diese Entität eine perioperative Chemotherapie (FLOT – OP – FLOT) mit einer präoperativen Chemoradiotherapie gemäß dem CROSS-Schema.
ESOPEC: FLOT wirkt bei GEJ-Tumoren besser
Insgesamt schien das FLOT-Schema bei GEJ-Tumoren besser abzuschneiden: Nach fünf Jahren lebten noch 50,6 % gegenüber 38,7 % mit CROSS. Das Sterberisiko lag um 30 % niedriger (HR 0,70; 95%-KI 0,53–0,92; p = 0,01). „Das war wirklich eine praxisverändernde Studie“, reflektierte die Referentin, und die Ergebnisse wurden bereits in die Leitlinien übernommen. Subgruppenanalysen zufolge profitierten vor allem jene mit fortgeschrittenen Tumoren (T3–4) und positiven Lymphknoten stärker von FLOT als von der neoadjuvanten Chemoradiotherapie. Eine mögliche Erklärung: Die Regime unterschieden sich insbesondere hinsichtlich der Rate an Fernmetastasen (HR 0,59 zugunsten FLOT), wohingegen Lokalrezidive gleich häufig auftraten.
CPI machen FLOT und CROSS effektiver
Wie die Referentin anmerkte, besteht ein Kritikpunkt darin, dass ESOPEC noch keine Immuntherapien berücksichtigte. Zum einen verdoppelte in CheckMate 577 adjuvantes Nivolumab das mediane krankheitsfreie Überleben nach Chemoradiotherapie von 11,0 Monaten auf 22,4 Monate. Allerdings stellte die Tumorlokalisation kein Stratifizierungskriterium dar und der Vorteil schien vor allem von Ösophagustumoren und Plattenepithelkarzinomen getragen.
Zum anderen ergänzten Fachleute in MATTERHORN das FLOT-Regime um perioperatives Durvalumab. Gegenüber FLOT allein sank das Ereignisrisiko um 29 % und die pCR-Rate stieg von 7,2 % auf 19,2 %. In diesem Fall zogen Teilnehmende mit GEJ-Tumor offenbar einen größeren Nutzen aus der Prüfbehandlung als solche mit Magenkrebs.
„MATTERHORN erste Wahl für fitte Erkrankte“
Alles in allem, so Dr. de Dosso, müsse man sich bei Patient:innen mit resektablem, mikrosatellitenstabilem GEJ-Adenokarzinom zunächst fragen, ob sich diese für eine Operation und eine Triplet-Chemotherapie eignen. Zweimal Ja? Dann hält sie eine perioperative Chemoimmuntherapie gemäß MATTERHORN für die erste Wahl. Bei Kontraindikationen gegen CPI oder mangelnder Verfügbarkeit von Durvalumab können Ärzt:innen alternativ FLOT allein nutzen.
Weniger fitte Erkrankte erhalten stattdessen eine neoadjuvante Chemoradiotherapie gemäß CROSS (Carboplatin/Paclitaxel + 41,4 Gy). Bei fehlender Komplettremission können Mediziner:innen zusätzlich ein Jahr adjuvant Nivolumab geben. Der CPI scheint allerdings Frührezidive innerhalb der ersten sechs Monate nicht zu verhindern, merkte die Expertin an – in CheckMate 577 trennten sich die PFS-Kurven erst ab diesem Zeitpunkt. Sie sieht außerdem eine weitere potenzielle Zielgruppe für präoperatives CROSS: „Vielleicht solche Patient:innen ohne wirklich lokal fortgeschrittene Erkrankung, etwa mit einem T3N0-Tumor.“
de Dosso S; ESMO Gastrointestinal Cancers Congress 2026; Vortrag „CROSS, FLOT, MATTERHORN – How do we choose in 2026 for resectable distal esophageal adenocarcinoma?“