Krebsorganisationen schlagen Alarm

Krankenhausreform schwächt spezialisierte Krebszentren

Pressemitteilung – DKFZ
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Krebsorganisationen warnen: Ausnahmen in der Krankenhausreform könnten zertifizierte Krebszentren schwächen.

Nach der Anpassung der Krankenhausreform warnen Deutsche Krebshilfe, Krebsgesellschaft und DKFZ vor Risiken für die onkologische Versorgung. Sie fordern eine konsequente Konzentration komplexer Therapien in zertifizierten Zentren.

Die im Bundesrat verabschiedete Anpassung der Krankenhausreform stößt bei führenden Krebsorganisationen auf scharfe Kritik. Erweiterte Ausnahmeregelungen und verlängerte Übergangsfristen könnten die notwendige Bündelung komplexer Krebstherapien in spezialisierten Strukturen verzögern. Dies gefährde die Qualität der onkologischen Versorgung, warnen Deutsche Krebshilfe, Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, betont, Patientinnen und Patienten müssten sich der Bedeutung des Behandlungsortes bewusst sein. Nur zertifizierte Krebszentren und Comprehensive Cancer Center (CCC) gewährleisteten durch strukturierte Qualitätsvorgaben eine verlässliche Therapie.

„Qualität darf keine Option sein“

Auch der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Prof. Dr. Michael Ghadimi, verweist auf die Evidenz. Die Erstbehandlung in zertifizierten Zentren verbessere nachweislich Überlebenschancen und senke zugleich Kosten. Eine Reform, die Qualitätsvorgaben aufweicht, konterkariere die angestrebte Effizienz und gefährde die onkologische Versorgung.

Der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Michael Baumann mahnt, hohe Fallzahlen, interdisziplinäre Teams und Qualitätssicherung seien entscheidend für Prognose und Therapieerfolg. Eine Reform mit zu vielen Ausnahmen verwässere diese Standards und verhindere, dass Spitzenmedizin flächendeckend ankommt.

Was Patientinnen und Patienten fordern

Patientin Tatjana Loose, selbst Betroffene eines Pankreaskarzinoms, unterstreicht die Bedeutung zertifizierter Zentren: „Dort war gewährleistet, dass alle beteiligten Fachbereiche Erfahrung mit Pankreaskarzinomen haben und die Behandlung abgestimmt erfolgt, wie bei einem funktionierenden Uhrwerk, in dem alle Zahnräder ineinandergreifen müssen. Aus meiner Sicht sollten Betroffene sich daher bewusst für ein zertifiziertes Zentrum oder CCC entscheiden und nicht automatisch das nächstgelegene Krankenhaus wählen.“

Derzeit wird etwa die Hälfte der Krebspatientinnen und Krebspatienten in Deutschland außerhalb zertifizierter Zentren behandelt, obwohl Studien deutliche Überlebensvorteile für spezialisierte Einrichtungen zeigen.

Jan Helfrich

Jan Helfrich

Redaktion Medical Tribune
Nach Abschluss seines Studiums der Medienwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg zog Jan Helfrich 2022 nach Mainz. Im Anschluss an erste berufliche Erfahrungen im Bereich der tagesaktuellen Medien trat er im September 2024 sein Redaktionsvolontariat bei der Medical Tribune im Ressort Politik & Management an. Parallel zu seiner redaktionellen Arbeit im Print-Bereich ist er als Mitglied des Social-Media-Teams tätig.

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