Hodenkrebs: Wer läuft Gefahr, ein Rezidiv zu entwickeln?
MiR-371 ist ein Marker für die MRD nach Orchiektomie aufgrund eines frühen Keimzelltumors des Hodens. Auch lässt sich damit das Risiko für ein Rezidiv besser vorhersagen und die Indikation für eine adjuvante Chemotherapie genauer stellen.
Die klinischen Biomarker für ein hohes Risiko seien nicht ausreichend genau, um eine Übertherapie bei Stadium-1-Hodentumoren zu vermeiden, erläuterte Prof. Dr. Ben Tran vom Peter McCallum Cancer Centre in Melbourne.1 In der prospektiven Kohortenstudie CLIMATE prüften er und seine Kolleg:innen den Biomarker miR-371 zur Risikoabschätzung bei Erkrankten mit testikulärem Keimzelltumor im Stadium 1 (60 % reine Seminome, 40 % Nicht-Seminome).
Wer war in CLIMATE eingeschlossen und was wurde bestimmt?
Die Teilnehmenden waren innerhalb der vergangenen sechs Wochen orchiektomiert worden und standen für eine aktive Überwachung an. Die Forschenden bestimmten miR-371 alle drei Monate mit quantitativer Polymerasekettenreaktion aus Serum und Plasma.
Nach median 18,9 Monaten hatten 20 % ein Rezidiv erlitten. In der Gruppe der Seminome betrug die Rezidivrate 8 %, bei Nicht-Seminomen 38 %. Die Anfangsbestimmung von miR-371 aus Plasma sagte ein Rezidiv besser voraus als aus Serum. Der positive prädiktive Wert betrug 62 % vs. 56 %, der negative prädiktive Wert 91 % vs. 87 % (Area under the Receiver Operating Curve [AUROC] 0,77 vs. 0,69; p = 0,04). Die weiteren Analysen erfolgten mit miR-371 aus Plasma.
Eine miR-371-Positivität zu Beginn der Studie war mit einem mehr als zehnfach erhöhten Rezidivrisiko gegenüber miR-371-Negativität assoziiert. Rezidivfrei lebten nach 24 Monaten 32,4 % der anfangs miR-371-positiven und 88,9 % der zu Beginn miR-371-negativen Erkrankten. Die Prädiktion fiel in der Gruppe der Nicht-Seminome schlechter aus als bei Seminomen. Ein miR-371-Nachweis nach initial negativem Test erhöhte das Rezidivrisiko im Vergleich zu dauerhaft negativem miR-371-Status um etwa das Sechsfache (HR 5,9; 95%-KI 3,0–11,1; p < 0,001).
Bessere Prädiktion als klinische Biomarker
miR-371 im Plasma sagte das Rezidivrisiko genauer voraus als klinische Biomarker. Bei Seminomen betrug die AUROC 0,86 mit miR-371, 0,63 mit den Boormans-Risikogruppen (p = 0,022) und 0,60 mit der Abschätzung nach der Tumorgröße (p = 0,013). In der Gruppe der Nicht-Seminome belief sich die AUROC mit miR-371 im Plasma auf 0,72, mit lymphovaskulärer Infiltration auf 0,58 (p = 0,035) und mit Embryonalkarzinom auf 0,53 (p < 0,001).
Eine weitere verbesserte Prädiktion ergab sich durch die Kombination von miR-371 mit klinischen Risikoparametern. Innerhalb der Boormans-Gruppe mit intermediärem und hohem Risiko beispielsweise hatten diejenigen mit miR-371 im Plasma zu Beginn ein fast 22-fach erhöhtes Rezidivrisiko im Vergleich zu denjenigen mit miR-371-negativem Anfangsbefund (HR 21,9). Vor einer Implementierung müssen die finale Analyse der Studie und die Validierung des Biomarkers miR-371 in unabhängigen Kohorten abgewartet werden.
Tran B. 2026 ASCO Genitourinary Cancers Symposium; Abstract 586