MC bei Brustkrebs: Etwas Fortschritt gibt es doch
Nach dem Bronchialkarzinom ist das Mammakarzinom die Tumorentität, die am häufigsten zur Meningeosis carcinomatosa führt. Das therapeutische Spektrum hat sich mit ADC und zielgerichteten Substanzen sowie mit modernen Bestrahlungstechniken in den letzten Jahren erweitert. Dennoch bleibt die Prognose schlecht.
Der Begriff Meningeosis carcinomatosa (MC) meint die diffuse Aussaat maligner Zellen in die weichen Hirnhäute, den Subarachnoidalraum und den Liquor. „Damit ist die gesamte Neuroachse betroffen und die Symptomatik multifokal“, erklärte Dr. Dominik Dannehl, Uniklinik Köln.1 30–40 % der Brustkrebspatient:innen mit MC haben keine parenchymalen Hirnmetastasen. Die Inzidenz einer MC bei Erkrankten mit Mammakarzinom beträgt etwa 5 %, in Autopsie-Kollektiven bis zu 20 %.
Aufgrund der breiteren und sensitiveren MRT-Diagnostik und weil dank der effektiven Systemtherapie mehr Betroffene die späte ZNS-Komplikation erleben, steigt die Inzidenz der MC an. Auch wenn triple-negative (TNBC) und HER2+ Mammakarzinome mit Inzidenzen von gut 30 % das höchste Risiko für eine MC bergen, stellt das HR+/HER2- Mammakarzinom aufgrund seiner Häufigkeit absolut die meisten MC-Fälle. Invasiv-lobuläre Karzinome sind überrepräsentiert. „Neu aufgetretene, therapierefraktäre Kopfschmerzen oder eine Vigilanzminderung bei einer Patientin mit metastasierter Erkrankung sollten immer an MC denken lassen und man sollte großzügig eine ZNS-Bildgebung machen“, betonte der Referent.
Eine Liquorpunktion reicht nicht aus
Zur Diagnose empfehlen Expert:innen in den Leitlinien eine detaillierte neurologische Untersuchung, eine kraniospinale MRT mit Kontrastmittel und danach folgend die Liquordiagnostik. Die Zytologie stellt immer noch den Goldstandard der Diagnosesicherung dar, wobei aufgrund der geringen Sensitivität mehrere Liquorpunktionen notwendig sind. Dr. Dannehl mahnte: „Mit nur einer Liquorpunktion hat man eine Sensitivität von 50–70 %. Man sollte mindestens bis zu drei Liquorpunktionen durchgeführt haben, bevor man eine definitive Aussage macht.“ 25–30 % aller Punktionen bleiben trotz klassischer neurologischer Symptomatik und führendem MRT-Befund negativ. Diese Fälle werden dem Typ II der EANO-ESMO-Klassifikation zugeordnet, bei Typ I liegt eine positive Liquorzytologie oder leptomeningeale Biopsie vor.
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