Mehr Evidenz für den Organerhalt beim frühen Rektumkarzinom
In einer vorgezogenen Analyse der STAR-TREC-Studie gelang ein Rektumerhalt über zwölf Monate bei deutlich mehr als der Hälfte geeigneter Patient:innen. Auch bezüglich des optimalen Vorgehens zeichnet sich ein Trend ab.
Die totale mesorektale Exzision (TME) geht mit Risiken und erheblichen Folgen für die Lebensqualität einher, sodass Forschende beim Rektumkarzinom nach Alternativen suchen. Prof. Dr. Simon P. Bach, University College London, und Kolleg:innen vergleichen in STAR-TREC nun zwei Ansätze zum Organerhalt in frühen und intermediären Stadien – eine lange Chemoradiotherapie (LCCRT) und eine kurze Strahlentherapie (SCRT). Erste Ergebnisse verraten eine klare Tendenz.
Das Prinzip der STAR-TREC-Studie
Alle Teilnehmenden der Phase-2/3-Studie hatten ein rektales Adenokarzinom (≤ 40 mm, Stadium mrT1–T3bN0). Sie erhielten:
eine Chemoradiotherapie mit Ziel des Organerhalts (LCCRT; 50 Gy in 25 Fraktionen plus orales Capecitabin 825 mg/m2 zweimal täglich an Bestrahlungstagen) oder
eine kurze Radiotherapie mit Ziel des Organerhalts (SCRT; 25 Gy in fünf Fraktionen) oder
eine primäre TME
Im Fall der organerhaltenden Behandlung folgten je nach Ansprechen Watch-and-Wait, Lokalexzision oder doch eine TME. Der primäre Endpunkt besteht darin, wie viele Teilnehmende nach 30 Monaten ohne Stoma, TME oder Lokalrezidiv leben.
In Phase 2 erreichte die Chemoradiotherapie einen frühzeitigen Vorteil beim Überleben ohne TME: Nach einem Jahr war der Median noch nicht erreicht gegenüber 7,6 Monaten mit kurzer Radiotherapie (HR 3,7). Über beide Gruppen hinweg lag das TME-freie Überleben nach zwölf Monaten bei 60 %.
Aufgrund dieser Ergebnisse analysierten die Verantwortlichen vorzeitig die Daten von 426 Teilnehmenden aus Phase 2 und 3, die vor einem festgelegten Stichtag rekrutiert worden waren. Von den 409 auswertbaren Personen hatten etwa gleich viele eine LCCRT und SCRT erhalten und nur 19 % eine primäre mesorektale Exzision.
Rektumerhalt: Chance mit Chemo-RT fast doppelt so hoch
Auch hier erzielte die Chemoradiotherapie bessere Ergebnisse. 78,5 % verglichen mit 60,6 % blieben zwölf Monate TME-frei (HR 1,90). Eine klinische Komplettremission erzielten 64 % vs. 36 % der Behandelten.
Mit beiden organerhaltenden Verfahren lag die Rate an schweren Komplikationen tendenziell niedriger als mit der mesorektalen Exzision. Die häufigsten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse vom Grad 3/4 umfassten:
gastrointestinale Störungen (2 % mit LCCRT; 4 % mit SCRT; 8 % mit TME)
prozedurale Komplikationen (2 % mit LCCRT; 3 % mit SCRT; 6 % mit TME)
Eine Person mit primärer mesorektaler Exzision starb an einer Sepsis infolge einer undichten Anastomose. Insgesamt lag die Rate hochgradiger schwerwiegender Komplikationen in der TME-Gruppe bei 18 %, nach der (Chemo-)radiotherapie hingegen nur bei 6 % bzw. 1 %.
Finale Ergebnisse von STAR-TREC stehen noch aus
Für die Autor:innen stützen die Ergebnisse Response-adaptierter organerhaltende Ansätze beim Rektumkarzinom. Nach zwölf Monaten schien eine lange Chemoradiotherapie effektiver als eine kurze Radiotherapie. Allerdings müsse man noch den formellen Endpunkt nach 30 Monaten sowie funktionelle und onkologische Outcomes abwarten.
Bach SP et al. Lancet Oncol 2026; 27(9): 1120-1132; doi: 10.1016/S1470-2045(26)00228-7
Lara Sommer
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