Wohnort entscheidet mit

Krebsrisiko in sozioökonomisch benachteiligten Regionen

37. Deutscher Krebskongress
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Der Wohnort korreliert mit dem Krebsrisiko, schildert Dr. Lina Jansen, DKFZ Heidelberg, im Interview. So liegt das Lungenkrebsrisiko in den ärmsten Landkreisen doppelt so hoch.

„Wir wissen viel zu wenig über den Zusammenhang zwischen Armut und Krebs“, konstatierte Dr. Lina Jansen vom DKFZ Heidelberg auf dem 37. Deutschen Krebskongress. Einerseits korreliert der individuelle sozioökonomische Status mit dem Gesundheitsverhalten. Beispielsweise rauchen Personen mit niedrigerem Bildungsniveau tendenziell mehr, sind körperlich inaktiver, öfter übergewichtig und verzehren weniger Obst und Gemüse. All dies kann das individuelle Krebsrisiko erhöhen. Auch die Teilnahmerate an vielen Früherkennungsuntersuchungen unterscheidet sich nach sozioökonomischen Faktoren.

Inzidenz liegt in deprivierten Regionen um ein Fünftel höher

Andererseits liegt die Inzidenz vieler Tumorentitäten in deprivierten Regionen höher. Zwischen dem sozioökonomisch bestgestellten und schlechtestgestellten Fünftel der betrachteten deutschen Landkreise unterschied sich die altersstandardisierte Erkrankungsrate 2018 um etwa ein Fünftel. Im Zeitraum zwischen 2007 und 2018 sank die Malignominzidenz insgesamt. Gleichzeitig nahm aber die Ungleichheit für alle Krebsdiagnosen zusammen sogar von 7 % auf 23 % bei Männern und 20 % bei Frauen zu.

Wenn die Forschenden vier häufige Entitäten betrachteten, betrafen die Unterschiede nicht alle Lokalisationen gleichermaßen. Lungenkrebs trat in den Regionen mit der stärksten Deprivation sogar fast doppelt so häufig auf, wohingegen sich keinerlei Unterschied bei Prostata- oder Brustkrebs erkennen ließ. Für CRC betrug die Diskrepanz wie hinsichtlich Krebs insgesamt etwa ein Fünftel.

Erfahren Sie im Videointerview, worauf Dr. Jansen die Inzidenzunterschiede zurückführt, wie sich die Coronapandemie auswirkte und wo die Expertin ansetzen würde, um Ungleichheiten zu reduzieren.

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