S3-Leitlinie zu Depressionen im Kinder- und Jugendalter

Depression bei Kindern und Jugendlichen wird jetzt altersgerecht behandelt

Leitlinie
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Die neue Leitlinie behandelt erstmals auch den Übergang von der Jugend- in die Erwachsenenmedizin.

Die neue S3-Leitlinie zur Depression bei Kindern und Jugendlichen setzt auf altersgerechte Maßnahmen. Psychotherapie bleibt zentral, Medikamente sind vor allem für Jugendliche vorgesehen.

Eine Reihe von Fachgesellschaften und Organisationen hat unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) ihre S3-Leitlinie zur Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen überarbeitet. Das neue Regelwerk unterscheidet erstmals drei Altersgruppen: jüngere Kinder (3–6 Jahre), ältere Kinder (7–12 Jahre) und Jugendliche (13–18 Jahre). 

Geändert wurden unter anderem die Empfehlungen zur Therapie bei leichter Depression: Während die Vorgängerversion zunächst zu „aktiv abwartenden Maßnahmen wie Unterstützung, Beratung oder Psychoedukation“ riet, soll nun direkt nach fachärztlicher Diagnosestellung und unabhängig vom Schweregrad der Depression eine Behandlung angeboten werden. Neu ist auch die Empfehlung, die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten aktiv in die Therapieentscheidungen einzubeziehen.

 

Kognitive Verhaltenstherapie für ältere Kinder und Jugendliche

Bei älteren Kindern und Jugendlichen bleibt eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) die Behandlung der ersten Wahl. Die Interpersonelle Therapie (IPT) wird als Alternative empfohlen, speziell als familienbasierte IPT. Bei jüngeren Kindern stellt die Parent-Child Interaction Therapy mit Zusatzmodul Emotion Development (PCIT-ED) die erste Wahl dar.

Pharmakologisch gelten bei Jugendlichen mit mittelgradiger oder schwerer depressiver Episode Fluoxetin, Sertralin und Escitalopram als Therapie der ersten Wahl. Duloxetin kann als Alternative erwogen werden. Bei älteren Kindern mit mittelgradiger oder schwerer depressiver Episode kommen Fluoxetin, Sertralin und Escitalopram sowie Duloxetin nur dann infrage, wenn eine Psychotherapie nicht wirksam, nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Bei jüngeren Kindern sollte man von einer Pharmakotherapie absehen.

Leitlinienempfehlungen um Maßnahmen wie Sport, Lichttherapie und Omega-3-Fettsäuren erweitert

Neu aufgenommen in die Leitlinienempfehlungen wurden evidenzbasierte Maßnahmen zu sportlicher Aktivität, Lichttherapie und Omega-3-Fettsäuren. Ebenso sind nun konsensbasierte Empfehlungen zu künstlerischen Therapien, Ergotherapie und Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe aufgeführt.

Erstmals geht die Leitlinie auf die Transition ein, also den Übertritt von der Jugend- in die Erwachsenenmedizin. Das Autorenteam betont, dass die Behandlungskontinuität und die Nachhaltigkeit der Therapiemaßnahmen in dieser Lebensphase sichergestellt werden müssen, insbesondere wegen des erhöhten Suizidrisikos bei depressiven Erkrankungen. Konkret sollen bei der Transition Rollen und Verantwortlichkeiten im Therapieprozess geklärt, alters- und entwicklungsspezifische Besonderheiten berücksichtigt und gezielt Schul- und Ausbildungsabschlüsse gefördert werden.

S3-Leitlinie „Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen“; AWMF-Register-Nr. 028-043; www.awmf.org

Dr. Melanie Söchtig

Dr. Melanie Söchtig ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

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