COPD-Früherkennung

Wie man Zufallsbefunde aus dem Lungenkrebs-Screening nutzen kann

66. Kongress der DGP
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Aktuell bietet das am 1. April 2026 offiziell gestartete Lungenkrebs-Screening eine neue Möglichkeit, eine bislang nicht diagnostizierte COPD als Nebenbefund zu entdecken.

Weltweit bleiben bis zu 70 % der chronisch obstruk­tiven Lungenerkrankungen unerkannt. Eine nicht diagnostizierte COPD erhöht das Mortalitätsrisiko der betroffenen Patientinnen und Patienten enorm. Um Verdachtsfälle frühzeitig aufzuspüren, sollte man alle Register ziehen.

Schon im mittleren Lebensalter muss mit einer COPD gerechnet werden, betonte PD Dr. ­Mustafa ­Abdo vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Über vier US-amerikanische Kohorten hinweg betrug die COPD-Prävalenz bei den 35- bis 50-Jährigen (median 40 Jahre) 4,5 %. Eine „Young COPD“ lag in dieser Altersgruppe vor, wenn folgende Kriterien erfüllt waren: spirometrisch bestätigte Atemwegsobstruktion plus Husten, Auswurf und Dyspnoe oder mindestens zehn Zigaretten­packungsjahre. Für die entsprechenden Personen bestand bis zum Alter von 75 Jahren eine Übersterblichkeit von 43 % gegenüber Teilnehmenden ohne Ob­struktion. Stationäre Behandlungen oder Todesfälle wegen kardiovaskulärer Ereignisse, chronische Lungenerkrankungen und Herzinsuffizienz waren bei den schon in jungen Jahren von COPD Betroffenen signifikant häufiger.

Ähnliche Ergebnisse brachte eine prospektive Kohortenstudie aus Dänemark mit aktuell und ehemals Rauchenden (mind. zehn Pack Years) im Alter über 40 Jahre. Diejenigen mit einer nicht diagnostizierten COPD und Symptomen hatten ein doppelt so hohes Sterberisiko wie Gleichaltrige ohne COPD, berichtete Dr. Abdo. Damit Menschen trotz Symptomen nicht unbehandelt bleiben, brauche es eine gezielte Fallfindung.

COPD-Verdachtsfälle mit CAPTURE finden

Das validierte CAPTURE-Tool besteht aus fünf einfachen Fragen, die sich an Patientinnen und Patienten richten:

  • Haben Sie jemals an einem Ort gelebt bzw. gearbeitet, an dem Sie Luftverschmutzung, (Passiv-)Rauch oder Staub ausgesetzt waren?(ja = 1 Pkt.)

  • Verändert sich Ihre Atmung mit den Jahreszeiten, dem Wetter oder der Luftqualität? (1 Pkt.)

  • Haben Sie Atemprobleme bei körperlicher Aktivität wie Anheben eines Gegenstands, Schneeschippen oder Sport? (1 Pkt.)

  • Ermüden Sie schneller als andere Menschen Ihres Alters? (1 Pkt.)

  • Wie oft haben Sie sich in den vergangenen zwölf Monaten wegen einer Erkältung, Bronchitis oder Lungenentzündung krank gemeldet? (1 x = 1 Pkt., ≥ 2 x = 2 Pkte.)

    Werden zwei bis vier Punkte erreicht, sollte sich eine Peak-Flow-Messung anschließen. Ab fünf Punkten ist eine ausführliche fachärztliche Abklärung indiziert.

Anamnestische Kriterien und Bildgebung im Fokus

Im GOLD-Report 2026 werden dafür zwei Zielgruppen definiert, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuschauen. In die eine Gruppe fallen Personen mit folgenden anamnestischen bzw. klinischen Kriterien:

Die zweite Gruppe umfasst Personen, bei denen strukturelle Auffälligkeiten in der Bildgebung gefunden wurden:

Bei allen Personen, die in eine der beiden Gruppen fallen, sollen im Rahmen eines Vorab-Screenings validierte Fragebögen zum Einsatz kommen. Dr. Abdo empfahl dafür das CAPTURE-Tool, das lediglich fünf Fragen enthält (siehe Kasten). Er riet dazu, anschließend ggf. nicht nur den Peak Flow zu bestimmen, sondern auch ein Mikrospirometer einzusetzen. Die Kombination von Fragebogen und Mikrospirometer habe eine hohe dia­gnostische Genauigkeit. Auf diese Weise könne man letztlich „eine COPD in der hausärztlichen Praxis diagnostizieren lassen“. Aber das werde leider so nicht umgesetzt.

Prävalenz für unentdeckte COPD lag bei 22 %

Aktuell bietet das am 1. April 2026 offiziell gestartete Lungenkrebs-Screening eine neue Möglichkeit, eine bislang nicht diagnostizierte COPD als Nebenbefund zu entdecken. Die Teilnahmebedingungen für das Screening lesen sich wie eine Risiko­definition: Alter zwischen 50 und 75 Jahren, Zigarettenkonsum über eine Dauer von mindestens 25 zusammenhängenden Jahren sowie insgesamt mindestens 15 Packungsjahre. In der Lungenkrebs-Screening-Kohorte HANSE lag die Prävalenz einer bislang unerkannten COPD bei 22 %, berichtete Dr. Abdo. Alle Patientinnen und Patienten hatten trotz Ob­struktion weder eine Diagnose noch eine Therapie erhalten.

Dr. Abdo sprach sich dafür aus, im Zuge des  Lungenkrebs-Screenings mit KI-Unterstützung jene Teilnehmenden zu detektieren, die eine pneumologische Abklärung hinsichtlich COPD benötigen. Kriterien könnten u. a. die Größe und Lage des Emphysems oder Bronchialwandverdickungen sein. Bei Kombination verschiedener Faktoren werde eine relativ zuverlässige Diagnosewahrscheinlichkeit erreicht. „Da müssen die Radiologen bei der Niedrig-Dosis-CT nur ihr Programm laufen lassen und die Patientinnen und Patienten mit hoher Diagnosewahrscheinlichkeit dann zu uns schicken“, meinte Dr. Abdo.

Kongressbericht