Schwergewichtige Schlafstörungen

Abnehmen bessert schlafbezogene Atmungsstörungen

Aus der Fachliteratur
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Schon ein Gewichtsverlust von 10 % senkt den Apnoe-Hypopnoe-Index um mehr als ein Drittel.

Schon ein Gewichtsverlust von 10 % senkt den Apnoe-Hypopnoe-Index um mehr als ein Drittel. Ob Diät, Training, GLP‑1‑Agonisten oder bariatrische OP – alle Wege führen zu besserem Schlaf und weniger Atemaussetzern, wie neue Daten zeigen.

Adipositas ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von schlafbezogenen Atmungsstörungen wie der obstruktiven Schlafapnoe. Daher sollte immer eine Gewichtsreduktion angestrebt werden – ob mit Diät, Medikamenten oder OP.

Ein Anstieg des Körpergewichts korreliert stark mit der Entwicklung von schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS). Umgekehrt ist die Gewichtsreduktion eine etablierte SBAS-Behandlungsstrategie, schreibt das Team um Dr. ­William­ ­Griffin­ vom St. Vincent’s University Hospital, Dublin. Eine Metaanalyse ergab, dass die Reduktion des BMI um 10 %, 20 % oder 30 % den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) um etwa 36 %, 57 % bzw. 69 % senkt. Dieser Effekt konnte für alle Interventionen – Diät, Bewegung, medikamentöse Therapie oder bariatrische Chirurgie – gezeigt werden.

Eine Kalorienrestriktion auf 1.000–1.200 kcal täglich führt zwar zur Gewichtsreduktion, doch nehmen die Betroffenen oft rasch wieder zu. Kohlenhydratarme Ernährungsformen reduzieren das abdominelle Fett und die systemische Inflammation und führen zuverlässiger zur Gewichtsabnahme als fettarme Kost, schreibt das Autorenteam. Mediterrane Kost hat ebenfalls einen vorteilhaften Einfluss auf SBAS.

Auch körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die Störungen aus. Studien zeigen, dass moderates Ausdauertraining oder eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining den AHI reduzieren kann. Körperliche Aktivität reduziert das viszerale Fett, selbst wenn das Gesamtgewicht nur minimal sinkt. Dieser Effekt beruht wahrscheinlich auf einer Katecholaminfreisetzung, die bevorzugt zu einer Lipolyse des viszeralen Fetts führt. Der Druck aufs Zwerchfell sinkt, die Atemexkursionen können sich ausdehnen. Hinzu kommen hormonelle Umstellungen durch sportliche Aktivität.

OP führt in 65 % der Fälle zu OSA-Remission

Bariatrische Operationen bewirken eine wesentliche Besserung der obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Eine Metaanalyse ergab, dass ein solcher Eingriff bei 65 % der Betroffenen zu einer OSA-Remission führt und die Therapie mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck (CPAP) beendet werden kann.

Bariatrische Operationen können nicht nur den AHI bessern, sondern auch bestimmte Lungenfunktionsparameter, darunter die periphere Sauerstoffsättigung und die forcierte Vitalkapazität. Diese Ergebnisse sind ermutigend – allerdings sprechen nicht alle Personen gleich gut darauf an, betont das Autorenteam. Manchmal kommt es zwar nach der OP zu einem Gewichtsverlust, aber die OSA-Parameter ändern sich nicht signifikant.

Medikamente zur Behandlung der Adipositas werden immer erfolgreicher. Sie eignen sich auch für die Behandlung von SBAS. Von Interesse sind insbesondere die GLP1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid oder Semaglutid sowie Tirzepatid, das nicht nur am GLP1-Rezeptor, sondern auch am Gastric-Inhibitory-Polypeptid(GIP)-Rezeptor agonistisch wirkt.

Die Wirkung von Semaglutid bei SBAS wurde noch nicht in randomisiert-kontrollierten Studien geprüft. Mehr Daten gibt es zu Liraglutid: In einer randomisiert-kontrollierten Studie bekamen Personen mit Adipositas und mäßiger bis schwerer OSA entweder 3 mg Liraglutid oder ein Placebo über 32 Wochen. Die durchschnittliche Reduktion des AHI war unter Liraglutid deutlich größer als in der Placebogruppe (-12,2 vs. -6,1 Ereignisse pro Stunde). Unter Liraglutid kam es zu einem Gewichtsverlust von 5,7 %, unter Placebo von 1,6 %. Da jedoch gerade bei Personen mit schwerer OSA nur mäßige Besserungen durch das GLP1-Analogon zu verzeichnen waren, bleibt die klinische Bedeutung der Substanz unklar.

Der duale Rezeptoragonist Tirzepatid erscheint dem Autorenteam vielversprechender. Er erzielte in einer Studie signifikante Erfolge bei Teilnehmenden mit und ohne vorbestehende CPAP-Behandlung und wurde kürzlich von der FDA als erstes Medikament zur Therapie der moderaten bis schweren OSA zugelassen.

Steigende Bedeutung der medikamentösen Therapie

Medikamente gegen Adipositas dürften nach Aussage der Forschenden in Zukunft in der Langzeitbehandlung von SBAS eine wichtige Rolle spielen, zumal einige Erfolg versprechende neue Substanzen in der Pipeline sind. Hinzu kommen technische und chirurgische Innovationen wie Magenballons, die endoskopisch eingebracht und nach einigen Monaten wieder entfernt werden. Die Ballons führen zu einer Gewichtsreduktion von etwa 10–15 %. Auch der endoskopisch angelegte Schlauchmagen zählt zu den neueren Methoden der Gewichtsabnahme; weitere endoskopische Techniken befinden sich in Entwicklung.

Griffin W et al. Breathe 2025;21: 250182; doi: 10.1183/20734735.0182-2025