Das Management der pulmonalen arteriellen Hypertonie
Von Bewegung über Eiseninfusion bis zur Aktin-Inhibition: Neue Erkenntnisse zeigen, wie sich die Prognose bei pulmonaler arterieller Hypertonie deutlich verbessern lässt – und welche Risiken moderne Therapien bergen.
Abgesehen von der medikamentösen Therapie besteht das Management der pulmonalen arteriellen Hypertonie aus einer Reihe von Allgemeinmaßnahmen. Ein Experte fasste das Wichtigste im Schnelldurchlauf zusammen.
Körperliche Aktivität ist essenziell für Patientinnen und Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH). Mit standardisiertem Training und spezialisierter Reha lässt sich die Sechs-Minuten-Gehstrecke bei jeder Form der Erkrankung deutlich verbessern, berichtete Prof. Dr. Dirk Skowasch von der Klinik für Pneumologie am Herzzentrum des Universitätsklinikums Bonn.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die psychosoziale Unterstützung der Kranken. Nicht nur die PAH selbst stellt eine enorme Belastung dar, viele Betroffene leiden zusätzlich an einer psychischen Komorbidität, insbesondere an Depression, Panikstörungen und spezifischen Phobien. Eine entsprechende Unterstützung kann die seelische Verfassung bessern und zudem die Therapieadhärenz fördern.
Antikoagulation nicht in jedem Fall sinnvoll
Nächster Punkt: Schutz vor Infektionen. Patientinnen und Patienten mit einer pulmonalen arteriellen Hypertonie sollten gegen Influenza, Pneumokokken und SARS-CoV-2 geimpft werden, evtl. auch gegen Herpes zoster und Pertussis, empfahl Prof. Skowasch. Ob eine Antikoagulation etwas nutzt, hängt von der Form der Erkrankung ab. Bei idiopathischer PAH scheint sie einen Überlebensvorteil zu bringen, bei assoziierter PAH dagegen nicht. Für Menschen mit einer chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) besteht die Indikation zur lebenslangen Antikoagulation.
Ein bedeutsamer Faktor für das Management der PAH ist der Volumenhaushalt. Bei vermehrter Retention oder peripheren Ödemen sollte die Trinkmenge begrenzt und eine diuretische Therapie eingeleitet werden. Die Gabe von Sauerstoff wird empfohlen, wenn der PaO2 wiederholt unter 8 kPa in Ruhe sinkt und ein Cor pulmonale vorliegt.
Spezialfall Schwangerschaft
Ein schwieriges Thema bei Patientinnen mit PAH bleibt die Schwangerschaft. Die Sterblichkeitsraten der werdenden Mütter sind weiterhin recht hoch, betonte Prof. Skowasch. Falls eine Gravidität eintritt, empfiehlt sich unbedingt die Betreuung der Patientin in einem spezialisierten Zentrum. Die Geburt sollte zwischen der 34. und 38. SSW erfolgen per Kaiserschnitt erfolgen, um das Risiko einer Rechtsherzbelastung durch die Anstrengungen einer natürlichen Geburt zu vermeiden.
Fast die Hälfte aller PAH-Patientinnen und -Patienten (45 %) weist einen Eisenmangel auf. Der Ausgleich – am besten i. v. – lohnt sich: Die Maßnahme bessert sowohl die Gehstrecke als auch den pulmonalen Gefäßwiderstand und alles in allem die Lebensqualität. Natürlich müssen auch andere mögliche Komorbiditäten (z. B. Arrhythmien) im Auge behalten und adäquat therapiert werden.
* Deutsche Gesellschaft für Kardiologie