E-Zigaretten enttäuschen auf ganzer Linie
E-Zigaretten sollen nach Aussagen der Hersteller die mit dem Nikotinkonsum verbundenen Gefahren verringern und beim Verzicht auf traditionelle Tabakzigaretten helfen. An beidem bestehen allerdings erhebliche Zweifel.
Es gibt vor allem präklinische Hinweise, dass die neuen Nikotinprodukte ebenfalls ungünstige Effekte auf die Lungengesundheit haben, berichtete Prof. Dr. Natascha Sommer, Pneumologische Ambulanz des Universitätsklinikums Gießen. Ein erhöhtes Krebsrisiko könne nicht ausgeschlossen werden.
So finden sich im inhalierten Aerosol von E-Zigaretten bekannte Karzinogene wie Formaldehyd oder Acetaldehyd, die bei der Erhitzung entstehen. Bei Mäusen, die man dem E-Zigaretten-Aerosol ausgesetzt hatte, ließen sich DNA-Schäden in Lunge, Herz und Harnblase nachweisen. Die DNA-Reparaturmechanismen waren vermindert und die Mutationsrate erhöht, erklärte Prof. Sommer.
Das in E-Zigaretten enthaltene Nikotin ist ebenfalls ein Problem – nicht nur wegen seines Suchtpotenzials. Nikotin kann im Tiermodell das Wachstum und den Progress bestehender Tumore erhöhen und die Metastasierung fördern. Dahinter steckt wahrscheinlich eine Aktivierung von nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und verschiedenen Signalwegen (z. B. PI3K/Akt-, MAP-Kinase- und VEGF-Signalweg). Außerdem entstehen beim Abbau von Nikotin bestimmte Nitrosamine, die als starke Karzinogene eingestuft werden. Solche nikotinabhängigen Nitrosamine lassen sich nicht nur im Urin von Menschen nachweisen, die Tabak konsumieren, sondern auch bei Vapenden.
Die Hoffnung, dass E-Zigaretten als Ausstiegshilfe dienen könnten, erfüllt sich in vielen Fällen offenbar nicht, wie eine prospektive Beobachtungsstudie aus Südkorea zeigt. 23.262 Zigarettenrauchende mit COPD waren im Schnitt fünf Jahre nach einer Beratung zum Rauchstopp befragt worden. 14.899 von ihnen rauchten nach wie vor Tabakzigaretten, 7.047 hatten das Rauchen aufgegeben und 1.316 hatten angefangen zu vapen, meist ein Jahr nach der Beratung. Der Wechsel zur E-Zigarette führte zwar zu einem deutlichen Rückgang von schweren kardialen und zerebrovaskulären Ereignissen. Es kam aber nicht zu einer Reduktion des Lungenkrebs- oder COPD-Exazerbationsrisikos. Tatsächlich waren auch nur 393 Teilnehmende ganz auf Vapes umgeschwenkt, 932 nutzten sowohl Tabak- als auch E-Zigaretten.
Dieser häufig zu beobachtende Dual Use ist laut Prof. Sommer besonders kritisch zu sehen: In einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie aus den USA hatten Teilnehmende, die beide Arten von Nikotinprodukten nutzten, ein mehr als 38-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko im Vergleich zu Nierauchenden. Bei ausschließlichem Tabakzigarettenkonsum war es um den Faktor 9,6 erhöht. Komplette Abstinenz muss auch im Zeitalter der E-Zigaretten das wichtigste Ziel sein, resümierte Prof. Sommer.
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