Seltene Lungenerkrankung

Eine Alveolarproteinose wird oft übersehen

Aus der Fachliteratur
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Bei einer autoimmunen Alveolarproteinose sind die Lungenbläschen, wie in diesem Biopsat zu erkennen, mit Phospholipiden und eiweißhaltigem Material gefüllt.

Unspezifische Symptome, häufige Fehldiagnosen, falsche Behandlung: Bei Verdacht auf eine autoimmune Alveolarproteinose bringt nur ein ELISA Gewissheit. Ein Review fasst zusammen, was über die Erkrankung bekannt ist.

Um überschüssiges Surfactant aus den Lungenbläschen zu bekommen, benötigen Alveolarmakrophagen GM-CSF. Patientinnen und Patienten mit autoimmuner Alveolarproteinose (aPAP) bilden vermehrt Autoantikörper gegen dieses Glykoprotein, sodass die Arbeit der Makrophagen behindert wird und Surfactant akkumuliert. In der Folge kann es zur reduzierten Sauerstoffdiffusion mit Dyspnoe kommen. Außerdem steigt das Risiko für Infektionen, progressive Fibrose, Lungenversagen und Tod, schreibt eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. ­Cormac ­McCarthy von der St Vincent’s Universitätsklinik in Dublin.

In einem systematischen Review haben die Kolleginnen und Kollegen zusammengetragen, was über die Krankheitslast der aPAP bekannt ist. Bei ihrer Recherche stießen sie auf 50 Publikationen, die relevante Informationen lieferten: 43 waren Beobachtungstudien und sieben in Phase 2 oder 3. Insgesamt konnten die Daten von 2.855 Betroffenen ausgewertet werden.

Welche Symptome sprechen für eine aPAP?

Als häufigste Symptome der aPAP identifizierten die Forschenden Dyspnoe (61,2 %), Husten (43,8 %), vermehrtes Sputum (18,7 %), Unbehagen/Schmerzen in der Brust (9,8 %) sowieFatigue (6,3 %). Im äußerst variablen Krankheitsverlauf kann es zudem zu progressiver Hypoxämie, reduzierter Belastungskapazität, schweren Infektionen und eingeschränkter Lebensqualität kommen.

Die üblichen Symptome einer aPAP sind allesamt nicht spezifisch. Zieht man dann noch die sehr niedrige Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung von 6–27 pro eine Million Menschen ins Kalkül, erklären sich die erhebliche Latenz zwischen Symptombeginn und ­aPAP-Diagnose und die recht häufigen initialen Fehldiagnosen. Im Durchschnitt dauert es knapp 16 Monate, bis eine aPAP erkannt wird. Und wie die Daten von 148 Patientinnen und Patienten zeigen, wird anfangs in 42,6 % der Fälle eine Pneumonie, in 40,5 % eine andere interstitielle Lungenerkrankung, in 20,9 % eine Tuberkulose und in 9,5 % ein Asthma angenommen und fälschlicherweise entsprechend behandelt.

Wie lässt sich die aPAP sicher nachweisen?

Diagnostisch helfen bei der aPAP weder die CT noch die Bronchoskopie oder die Lungenbiopsie weiter, da deren Ergebnisse zwar potenziell auf eine Alveolarproteinose hindeuten, der Autoimmunfaktor aber nicht bewiesen werden kann. Dies ist derzeit nur mittels eines ELISA auf ­GM-CSF-Autoantikörper im Serum möglich, betonen die Autorinnen und Autoren. In Deutschland bieten ihn nur wenige spezialisierte Labore an.

Therapie zwischen Lavage und neuen GM-CSF-Ansätzen

Ist die aPAP per Assay nachgewiesen, kommt therapeutisch die wiederholte Lavage der gesamten Lunge mit Kochsalzlösung in Betracht. Durch das invasive Verfahren lässt sich der pulmonale Gastransfer verbessern. Nicht gesichert sind der Einsatz von Rituximab sowie die Plasmapherese, um GM-CSF-Antikörper herauszufischen. Bei schwerer Fibrose kann eine Lungentransplantation indiziert sein. Als kausal wirksame Behandlungsoption befindet sich derzeit ein inhalativ zu applizierendes, rekombinantes humanes GM-CSF in der (fortgeschrittenen) klinischen Prüfung. In Japan steht ein solches Produkt bereits zur Verfügung.

Große Varianz bei Verlauf und Prognose

Eine aPAP verschlechtert sich nicht zwangsläufig. Die von der Studiengruppe analysierten Daten von 356 Patientinnen und Patienten zeigen, dass die Erkrankung im Verlauf von zwölf Wochen bis neun Jahren bei knapp 60 % der Betroffenen voranschritt. In etwa jedem siebten Fall stabilisierte sie sich, und in rund 8 % kam es unabhängig von den initialen Beschwerden zum Verschwinden der Symptomatik.

Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bisherigen Erkenntnissen zufolge für aPAP-Betroffene bei 85 % und kann durch eine regelmäßige Lungenlavage auf 94 % gesteigert werden. Prof. McCarthy und sein Team ermittelten nun auf der Basis von sieben Beobachtungsstudien mit 375 Betroffenen und einem Follow-up von zwei bis neun Jahren eine Mortalität von 4,3 %. Von 16 Menschen starben elf ­aPAP-bedingt, d. h. an einer pulmonalen Infektion oder Lungenversagen. Die übrigen Todesfälle waren einem zerebrovaskulären Ereignis, Lungen- oder Magenkrebs bzw. einer Pilzinfektion geschuldet oder blieben ungeklärt.

McCarthy C et al. Eur Respir Rev 2026; 35: 250237; doi: 10.1183/16000617.0237-2025

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

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