Risikostratifizierung bei Lungenembolie

Rechtsherzfunktion in die Abschätzung einbeziehen

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Diese koronare CT-Angiografie zeigt eine Embolie in der Lungenarterie.

Eine Metaanalyse mit mehr als 1,4 Millionen Patientinnen und Patienten hat gezeigt, dass die Rechtsherzfunktion ein entscheidender Prognosefaktor bei akuter Lungenembolie ist. Bestehende Risikoscores erfassen diesen Marker bislang jedoch nicht.

Die Behandlung der Lungenembolie besteht v. a. in der Antikoagulation, je nach Schweregrad kommen kathetergestützte oder systemische Interventionen hinzu. Allerdings bleibt die optimale Versorgung von Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Dekompensationsrisiko unklar, schreibt ein Team um Dr. Kevin Durr, Universität Ottawa in Ontario. Das liege u. a. daran, dass verlässliche Kriterien fehlen und die derzeit verfügbaren Instrumente zur Risikostratifizierung nur begrenzt aussagekräftig sind.

Welche Faktoren erhöhen die 30-Tage-Sterblichkeit?

Um prognostische Faktoren für die kurzfristige Sterblichkeit bei akuter Lungenembolie zu identifizieren, werteten die Forschenden 70 Studien mit insgesamt über 1,4 Mio. Patientinnen und Patienten aus. Es zeigte sich, dass die Sterblichkeit mit dem Alter steigt (adjustierte Odds Ratio, aOR, 2,14). Auch klinische Scores erwiesen sich als prognostisch: Betroffene mit einem erhöhten PESI-* oder höheren vereinfachten PESI-Score (sPESI) starben in den ersten 30 Tagen häufiger als jene mit geringeren Werten (aOR 2,53 bzw. 4,02). Ebenfalls mit einer gesteigerten 30-Tage-Letalität assoziiert waren Vitalparameter wie ein erhöhter Puls (aOR 2,15), ein niedriger systolischer Blutdruck (aOR 3,59), eine reduzierte O2-Sättigung (aOR 2,00) und eine erhöhte Atemfrequenz (aOR 2,36). Gleiches galt für aktive Krebserkrankungen (aOR 3,04). Herzinsuffizienz (aOR 1,64) und chronische Lungenerkrankungen (aOR 1,42) steigerten die 1-Monats-Sterblichkeit nur mit vergleichsweise mäßiger Evidenz.

Warum ist die Rechtsherzfunktion prognostisch so bedeutsam?

Als starker prognostischer Marker erwies sich die Rechtsherzfunktion, die im PESI und sPESI nicht berücksichtigt, jedoch von mehreren Fachgesellschaften als entscheidender Prognosefaktor empfohlen wird: Ein größerer RV/LV-Quotient (aOR 2,43) und eine Rechtsherzfunktionsstörung (aOR 1,93) waren mit einem erhöhten Risiko verbunden, innerhalb von 30 Tagen zu sterben.

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine umfassende Risikostratifizierung für das optimale Management einer akuten Lungenembolie ist, so die Forschenden. Sie betonen, dass die Bewertung der Rechtsherzfunktion in Verbindung mit Tools zur Risikobewertung Therapieentscheidungen und Patientensteuerung verbessern könnte. Optimalerweise sollte die Rechtsherzfunktion künftig in die Bewertungstools aufgenommen werden.

* Pulmonary Embolism Severity Index

Durr K et al. Thorax 2026; doi: 10.1136/thorax-2025-223933

Alexandra Simbrich

Freie Autorin
Alexandra Simbrich ist als freie Autorin für verschiedene Titel der Medical Tribune tätig. Ihre Themenschwerpunkte: Neurologie und Psychiatrie, Dermatologie, Onkologie und Hämatologie, Schmerzmedizin, Gastroenterologie, Diabetologie sowie Komplementär- und Alternativmedizin.

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