Roboter oder elektromagnetisches Navi - Was ist effektiver?
Technikduell auf Augenhöhe: Eine Studie vergleicht roboterassistierte Bronchoskopie und elektromagnetische Navigation zur Biospie von peripheren Lungenrundherden. Die Unterschiede im Erebnis sind minimal.
Die elektromagnetische Navigation wird zunächst anhand individueller CT-Daten geplant (einschließlich Markierung des Rundherdes) bzw. simuliert. Während der Bronchoskopie, bei der die Patientin/der Patient in einem elektromagnetischen Feld liegt, führt die Ärztin bzw. der Arzt eine spezielle Sonde in das Endoskop ein, deren Spitze „live“ im elektromagnetischen Feld lokalisiert werden kann. „Das System führt so den Untersucher und das Bronchoskop ähnlich einer GPS-Navigation zu den vorher festgelegten Zielpunkten“, heißt es auf der Webseite der Freiburger Universitätsklinik für Thoraxchirurgie. Man erhalte dabei fortlaufend eine dreidimensionale Darstellung der Lokalisation und eine Entfernungsangabe zum Biopsieziel.
Auch für die roboterassistierte Bronchoskopie benötigt man eine Computertomografie, um anhand der Aufnahmen eine exakte Wegbeschreibung durch die Atemwege zu erstellen. Diese Route wird dann während des Eingriffs zur Steuerung des Biopsiekatheters genutzt. Ein robotisches System hat dabei unterstützende Funktion. Am Zielort angekommen bestätigt eine erneut durchgeführte CT die korrekte Position des Katheters, sodass die Biopsie entnommen werden kann, wie die Thoraxklinik der Universität Heidelberg informiert.
In drei von vier Fällen gelang die Biospie
Welches Verfahren das effektivere ist, prüften Forschende um Prof. Dr. Rafael Paez, Department of Medicine, Vanderbilt University Medical Center in Nashville in einer monozentrischen, randomisierten kontrollierten Studie. Mittels elektromagnetischer Navigation gelang es in 157 von 208 Fällen (75,5 %), eine Biopsie aus einem peripheren Lungenrundherd zu entnehmen. Die roboterassistiert durchgeführte Bronchoskopie war bei 158 von 203 Patientinnen und Patienten (77,8 %) erfolgreich. Damit zeigte sich die Gleichwertigkeit beider Verfahren, bzw. dass das neuere roboterassistierte dem etablierteren elektromagnetischen nicht unterlegen war.
Die RAB dauerte fünf Minuten länger als die ENB (durchschnittlich 37 min vs. 32 min), die klinische Relevanz dieser Differenz ist allerdings unklar, so die Studienautorinnen und -autoren. Im Hinblick auf die Komplikationsrate zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Techniken. So wurde z. B. ein Pneumothorax bei vier versus sechs Patientinnen und Patienten beobachtet.
Paez R et al. Am J Respir Crit Care Med; 211: 1644-1651; doi: 10.1164/rccm.202409-1846OC