Je dunkler der Winter, desto schwerer hat's die Seele
Eine Metaanalyse mit über 32.000 Teilnehmenden zeigt: Mit der Entfernung vom Äquator steigt das Risiko für Winterdepressionen deutlich an. Lichtmangel wirkt dabei als zentraler Auslöser.
Je kürzer die Tage werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer saisonal bedingten Depression (seasonal affective disorder, SAD). Das bestätigt eine umfassende Metaanalyse. Eine Studiengruppe wertete 24 Studien mit insgesamt über 32.000 Teilnehmenden aus, in denen SAD mithilfe des Seasonal Pattern Assessment Questionnaire erfasst wurde.
Im Schnitt litten 5 % der untersuchten Personen an einer Winterdepression, 9 % erfüllten die Kriterien einer abgeschwächten Form SSAD (subsyndromale SAD). Eine Sommerdepression fand sich hingegen nur selten (0,6 %). Mit zunehmender Entfernung vom Äquator stieg die Häufigkeit sowohl von SAD als auch von SSAD an, berichtet eine Wissenschaftlergruppe um Kyeongmin Kim von der Pusan National University in Yansan.
Damit liefert die Analyse ein quantitatives Fundament für einen lange vermuteten Zusammenhang: Je stärker die saisonalen Schwankungen der Lichtverhältnisse sind, desto höher ist das Risiko für depressive Verstimmungen im Winter. Die Autorinnen und Autoren sehen in den Ergebnissen einen Hinweis auf die Schlüsselrolle des Lichts in der Pathophysiologie von SAD und auf die mögliche Bedeutung von Präventionsansätzen wie Lichttherapie in besonders weit nördlich oder südlich gelegenen Regionen der Erde.
Kim K et al. J Affect Dis 2025; 390: 119807;