Neue Risiken durch Mpox

Mpox: Warum die Infektion gefährlicher wird

27. Forum Reisen und Gesundheit
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Den für Mpox typischen Pockenläsionen können unspezifische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen vorausgehen.

Mpox zeigt sich wandelbar: Seit 2022 treten häufiger schwere Verläufe auf, auch bei immunkompetenten Personen. Neue STIKO-Empfehlungen sollen gezielt schützen, denn das Virus bleibt trotz Ende des Gesundheitsnotstands aktiv.

Das Monkeypox-Virus (MPXV) ist eng verwandt mit dem humanen Pockenvirus. „Deshalb bestand auch früher, als wir den Pockenimpfstoff breit angewendet hatten, ein weitgehender Schutz vor Mpox“, erklärte Prof. Dr. ­Tino ­Schwarz vom Institut für Labormedizin und Impfzentrum am Klinikum Würzburg Mitte. Mit dem Ende der Pockenimpfungen im Jahr 1980 sei der Herdenschutz auch gegenüber Mpox stetig zurückgegangen.

Das natürliche Reservoir für Mpox in den afrikanischen Endemiegebieten sind wahrscheinlich Hörnchen und Nagetiere. Von ihnen wird der Erreger durch Bisse oder Kratzer auf den Menschen übertragen, ebenso durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch infizierter Tiere. Homo sapiens gilt – ebenso wie Affen – als Fehlwirt. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt vor allem bei engem Körperkontakt, im Rahmen sexueller Aktivitäten und im familiären Kontext über Körperflüssigkeiten und die typischen Hautläsionen. Auch die Übertragung mittels kontaminierter Materialien wie Bettwäsche, Tröpfcheninfektion über kurze Distanzen, nosokomiale Infektionen oder von der Mutter auf das Ungeborene ist möglich.

Erkrankung scheint relevanter und gefährlicher zu werden

Seit dem globalen Ausbruch 2022 und der anhaltenden Mensch-zu-Mensch-Übertragung hat sich Mpox offenbar verändert, berichtete Prof. ­Schwarz. „Insgesamt scheint die Erkrankung, was ihr Spektrum angeht, relevanter und auch gefährlicher zu werden.“ Unspezifische Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen. Diese Beschwerden können den Pockenläsionen vorausgehen, ihnen folgen, aber auch komplett fehlen. In mehr als jedem zweiten Fall kommt es zur schmerzhaften Lymphadeno­pathie, meist inguinal und begleitend zu den Hautläsionen. Seltener sind oropharyngeale Symptome als initiale Krankheitszeichen: Pharyngitis, Schluckbeschwerden, Epiglottitis, Tonsillenaffektionen, orale Läsionen.

Mpox ist selten tödlich. Schwangere, Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gelten jedoch als besonders gefährdet für einen schweren Verlauf. Komplikationen sind:

All das kann aber auch bei immunkompetenten Personen auftreten und zur Klinikeinweisung führen, betonte der Referent. Bei Personen, die zuvor gegen Pocken geimpft wurden, sind schwere Komplikationen hingegen seltener.

Außerhalb von Afrika zirkulieren Mpox in erster Linie unter Männern, die Sex mit Männern haben

Angesichts dieser potenziell schweren Verläufe bleibt die epidemiologische Überwachung essenziell. Auch wenn der globale Gesundheitsnotstand wegen Mpox im September 2025 beendet wurde, zirkuliert das Virus nach wie vor in den entsprechenden Populationen. Außerhalb Afrikas sind dies in erster Linie Communities von Männern, die Sex mit Männern haben, beschrieb Prof. ­Schwarz. Aktuell gibt es einen größeren Ausbruch auf Madagaskar und seinen Nachbarinseln. Aus Europa und insbesondere aus Spanien wurden Einzelfälle gemeldet. Für Deutschland sind für 2025 rund 500 Mpox-Fälle registriert worden, für den Januar 2026 rund 30.

Die STIKO hat ihre Empfehlungen zur Mpox-Indikationsimpfung kürzlich, im Januar 2026, aktualisiert. Sie umfassen nun alle Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko ab 12 Jahren, mit Ausnahme von schwangeren Frauen. Als Beispiele sind Männer sowie trans und nicht-binäre Personen genannt, die Sex mit Männern haben und häufig die Partnerinnen und Partner wechseln, ebenso Sexarbeitende. Für Menschen, die noch keine Pockenimpfung erhalten haben, sind zwei Impfdosen im Mindestabstand von 28 Tagen erforderlich, für Immunkompetente, die bereits gegen Pocken vakziniert wurden, reicht eine Dosis. Immundefiziente Personen wie HIV-Infizierte sollen unabhängig von einer Pockenimpfung zweimal gegen Mpox vakziniert werden. Auch auf das Vorgehen bei beruflichem Expositionsrisiko, die Postexpositionsprophylaxe und die Möglichkeit einer Riegelungsimpfung geht die STIKO ein. „Der Impfstoff ist verfügbar, er wird auch von den Kassen erstattet. Man muss aber bei Bedarf die Indikation stellen und impfen“, lautet der Appell des Referenten.

Karriere eines Virus

Mpox, früher als Affenpocken bezeichnet, wurde 1958 in einem dänischen Labor erstmals bei Affen entdeckt. In den 1970er-Jahren kam es wiederholt zu Ausbrüchen in Afrika, insbesondere im Westen des Kontinents und in Kongo. Im Jahr 2003 wurde von einem ersten Ausbruch in den USA berichtet, danach kam es immer wieder zu Einschleppungen auch nach Europa und Asien.In den 2010er-Jahren gab es bereits 283 Mpox-Infektionen und 18.788 gemeldete Verdachtsfälle. Mit dem Jahr 2022 gipfelte die Entwicklung in einer globalen Epidemie und der Ausrufung des globalen Gesundheitsnotstandes (MPXV Klade IIb und Ib), der im September 2025 von der WHO als beendet erklärt wurde.

Tobias Stolzenberg

Tobias Stolzenberg

Redakteur Medical Tribune
Nach dem Studium an der Universität Mainz war Tobias Stolzenberg für verschiedene Fachverlage und Unternehmen der Pharma-, Chemie- und Biotechbranche tätig. Seit 2015 arbeitet er für Medical Tribune, zunächst als freier Mitarbeiter, später als festangestellter Medizinredakteur. Seine Artikel behandeln medizinische und wissenschaftliche Themen, mit besonderem Schwerpunkt auf der Allgemeinmedizin. Tobias Stolzenberg ist auch Redakteur und Interviewer für den Podcast O-Ton Allgemeinmedizin.

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