Diagnose der axialen Spondyloarthritis

axSpA: Im Alltag häufiger überdiagnostiziert als übersehen

European Congress of Rheumatology 2026
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 3 Min
Die vor Ort im MRT als axSpA eingestuften Befunde erwiesen sich bei der zentralen Bewertung oft als unspezifische Veränderungen.

Die Diagnose einer axialen Spondyloarthritis (axSpA) bleibt schwierig: Neue Daten zeigen, dass die axSpA im klinischen Alltag häufiger fehldiagnostiziert als übersehen wird. Besonders die Bewertung von MRT-Befunden sorgt für Probleme.

Mithilfe der prospektiven, multizentrischen Telemedizin-Initiative ­IMPROVE-axSpA hatte ein Team um Prof. Dr. ­Denis ­Poddubnyy von der Universität Toronto untersucht, ob es zwischen behandelnden Ärztinnen und Ärzten vor Ort und einer zentralen Expertenbewertung Diskrepanzen bei der Diagnose von Fällen axialer Spondyloarthritis (axSpA) gibt.

Expertenteam überprüfte Diagnosen

Eingeschlossen in die Studie waren 969 Personen mit Verdacht auf axSpA, die alle von orthopädischen oder rheumatologischen Fachärztinnen oder Fachärzten rekrutiert worden waren. Über eine Online-Plattform wurden klinische Daten, Laborbefunde sowie im Rahmen der Routineversorgung angefertigte Röntgen- und MRT-Aufnahmen der Iliosakralgelenke (ISG) und der Wirbelsäule hochgeladen. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte dokumentierten ihre diagnostische Einschätzung einschließlich der Bildinterpretation. Danach bewerteten auf axSpA und Bildgebung spezialisierte Rheumatologinnen und Rheumatologen die Fälle und ordneten diese als axSpA, keine axSpA oder unklar ein.

Vor Ort wurde bei 264 Betroffenen (27,3 %) eine axSpA diagnostiziert, bei 319 Patientinnen und Patienten (32,9 %) ausgeschlossen, und in 386 Fällen (39,8 %) blieb die Diagnose unklar. Die zentrale Expertenbewertung bestätigte die axSpA bei 238 Patientinnen und Patienten (24,6 %), schloss sie bei 641 Betroffenen (66,2 %) aus und bewertete 90 Fälle (9,3 %) als unklar.

Ein Drittel der axSpA-Diagnosen war falsch

Besonders auffällig war die Diskrepanz bei lokal diagnostizierter axSpA. Von 264 Fällen wurden lediglich 142 (53,8 %) durch die Expertengruppe bestätigt. Dagegen wurden 89 Fälle (33,7 %) nach zentraler Begutachtung als keine axSpA eingestuft. Als häufigste Ursache identifizierte man stattdessen degenerative oder mechanische Veränderungen der Wirbelsäule beziehungsweise der ISG. Demgegenüber erwies sich eine Unterdiagnose als selten: Von den 319 lokal als „keine axSpA“ eingestuften Fällen wurden lediglich 27 (8,5 %) zentral als axSpA erkannt.

Betroffene mit nicht bestätigter lokaler axSpA-Diagnose wiesen häufig klinische Merkmale auf, die für eine axSpA sprechen konnten. So berichteten 95 % derjenigen mit verfügbaren Angaben über entzündlichen Rückenschmerz, und 47 % waren HLA-B27-positiv. Gleichzeitig unterschied sich diese Patientengruppe jedoch von den zentral bestätigten axSpA-Fällen: Sie war im Durchschnitt älter, umfasste häufiger Frauen, hatte einen höheren BMI und zeigte eine geringere entzündliche Aktivität. Erhöhte CRP-Werte fanden sich lediglich bei 19 % von ihnen.

Vor allem führten MRT-Befunde in die Irre

Für die Fehlklassifikationen verantwortlich war v. a. die Interpretation der MRT-Befunden. Nach Angaben der lokalen Untersuchenden wurden bei 54 % der Patientinnen und Patienten aktive entzündliche Läsionen und bei 35 % strukturelle Veränderungen der ISG beschrieben; bei 19 % der Wirbelsäulen-MRT wurde eine aktive Entzündung angenommen. Die zentrale Expertenbewertung bestätigte diese Befunde jedoch nicht. In der entsprechenden Patientengruppe fanden sich zentral weder aktive entzündliche noch strukturelle Veränderungen, die für eine axSpA sprechen. Stattdessen wurden überwiegend unspezifische Bildveränderungen beschrieben, insbesondere Knochenmarködeme der ISG.

Poddubnyy D et al. EULAR-Congress, OP0105; doi: 10.1136/annrheumdis-2026-eular.B.1369

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