Fibromyalgie verschärft Beschwerden bei axSpA
Wenn bei einer axialen Spondyloarthritis die Therapie nicht greifen will, könnte eine begleitende Fibromyalgie dahinterstecken. In einer Langzeitkohorte litten 22 % der Betroffenen daran.
Viele Menschen mit einer axialen Spondyloarthritis (axSpA) klagen trotz günstigem radiologischen Befund über anhaltend starke Beschwerden, schreibt das Forscherteam um Dr. Clementina López-Medina von der Universität Cordoba, Spanien. Eine begleitende Fibromyalgie kann diese Beobachtung prinzipiell erklären. Ihre Diagnose gestaltet sich allerdings schwierig, da Schmerzpunkte in der Muskulatur und an Sehnen-Knochen-Übergängen für beide Krankheitsbilder typisch sind.
Ein spezieller Fibromyalgie-Fragebogen (Fibromyalgia Rapid Screening Tool, FiRST), der ohne klinischen Untersuchungsbefund auskommt, könnte dieses Problem lösen. Mit seiner Hilfe objektivierten die Forschenden die Fibromyalgieprävalenz an einem Kollektiv von 633 Erwachsenen mit axSpA, die zwischen 2007 und 2010 in die französische DESIR-Kohorte eingeschlossen und bis 2021 nachbeobachtet worden waren. Alle hatten zwischen Jahr 7 und 10 der Beobachtungszeit mindestens einmal den FiRST-Fragebogen beantwortet. Fehlende Daten ergänzten die Forschenden mittels multipler Imputation.
Bei Fibromyalgie waren Synovitiden und Enthesitiden häufiger
144 Studienteilnehmende (21,7 %) erfüllten die Kriterien für die Diagnose „Verdacht auf Fibromyalgie“, das heißt sie hatten bei mindestens zwei Gelegenheiten mindestens fünf der insgesamt sechs FiRST-Fragen mit „ja“ beantwortet. Die Personen mit Fibromyalgieverdacht waren im Vergleich zu denen ohne diese Zusatzdiagnose seltener HLA-B27-positiv und wiesen seltener eine radiologische Sakroiliitis auf. Sie litten allerdings häufiger an peripheren Synovitiden oder Enthesitiden sowie an Psoriasis. Bezüglich der MRT-Sakroiliitis und des Entzündungsparameters CRP unterschieden sich die beiden Gruppen jedoch nicht.
Mehr funktionelle Defizite
Über den zehnjährigen Beobachtungszeitraum hinweg wiesen die Personen mit Fibromyalgieverdacht eine stärkere Krankheitsaktivität auf, hatten deutlichere funktionelle Defizite und eine schlechtere gesundheitsbezogene Lebensqualität. Sie wurden darüber hinaus signifikant häufiger dauerhaft erwerbsunfähig und benötigten häufiger eine TNF-Inhibitortherapie, hielten diese allerdings seltener durch.
Angesichts dieser Beobachtungen empfehlen die Forschenden für alle Menschen mit einer axSpA ein Fibromyalgiescreening. Ihrer Einschätzung nach profitieren die Betroffenen hinsichtlich der Lebensqualität von der Diagnose und entsprechenden Behandlung dieser Komorbidität. Darüber hinaus können auf diese Weise unnötige Therapiewechsel und -eskalationen vermieden und die Gesundheitskosten gesenkt werden.
López-Medina C et al. Ann Rheum Dis 2026; doi: 10.1016/j.ard.2026.02.006