Checkpoint-Inhibitoren trotz Vaskulitis meist möglich
Checkpoint-Inhibitoren bei vorbestehender Autoimmunvaskulitis? Diese Frage wird kontrovers diskutiert. Doch eine aktuelle Studie gibt Entwarnung. Zwar kam es unter der Therapie zu Schüben, diese waren jedoch meist gut therapierbar.
Krebspatientinnen und -patienten mit vorbestehender autoimmuner Vaskulitis können grundsätzlich mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) behandelt werden, so die Ergebnisse einer retrospektiven US-amerikanischen Studie. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelte unter der Therapie ein Vaskulitisrezidiv, die meisten Schübe waren jedoch kontrollierbar und führten nicht zum Abbruch der onkologischen Behandlung.
Die Forschenden um Juan Sevillano, University of Texas Health Science Center in Houston, hatten für ihre Untersuchung die Daten von 25 Tumorpatientinnen und -patienten mit vorbestehender Vaskulitis analysiert, die alle mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt worden waren. Das mediane Alter betrug 71 Jahre, 52 % der Betroffenen waren weiblich. Bei den Grunderkrankungen handelte es sich vor allem um Riesenzellarteriitis, Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), eosinophile GPA sowie verschiedene kutane Vaskulitiden. Die Mehrzahl erhielt einen PD1-Inhibitor.
Ein Drittel entwickelte einen Vaskulitisschub
Während der Behandlung kam es bei 8 von 25 Studienteilnehmenden (31 %) zu einem Vaskulitisschub. Die Ereignisse traten überwiegend früh auf, mit einer medianen Zeit bis zum Rezidiv von sieben Wochen nach Beginn der Immuntherapie. Besonders häufig waren Patientinnen und Patienten mit GPA (4 von 8) betroffen. Auch bei kutanen Vaskulitiden wurde ein erhöhtes Rezidivrisiko beobachtet (2 von 4).
Aus rheumatologischer Sicht besonders relevant ist die gute Beherrschbarkeit der meisten Schübe. Sieben der acht Rezidive ließen sich erfolgreich behandeln, überwiegend mittels Glukokortikoiden, teilweise ergänzt durch weitere immunsuppressive Therapien. Bei vier Patientinnen und Patienten konnte die ICI-Therapie trotz Vaskulitisrezidiv fortgesetzt werden. Dies spricht gegen die bisher häufig geäußerte Sorge, dass ein Schub zwangsläufig das Ende einer wirksamen Tumortherapie bedeutet. Insgesamt wurde bei mehr als einem Drittel der Betroffenen ein günstiges Tumorergebnis erzielt.
Engmaschige Überwachung nötig
Dennoch verdeutlichen die Daten, dass eine sorgfältige Überwachung erforderlich bleibt. Ein Patient verstarb infolge eines schweren Schubs einer Riesenzellarteriitis. Darüber hinaus wurden bei drei Patientinnen bzw. Patienten schwere immunvermittelte Nebenwirkungen außerhalb der Grunderkrankung beobachtet, und zwar Hepatitis, Kolitis und autoimmune hämolytische Anämie.
Die Ergebnisse unterstützen die zunehmend vertretene Auffassung, dass eine kontrollierte Vaskulitis keine generelle Kontraindikation für den Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren darstellt, betont das Autorenteam. Entscheidend sind eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen onkologischen und rheumatologischen Ärztinnen und Ärzten. Besondere Aufmerksamkeit sollte in den ersten zwei bis drei Monaten nach Therapiebeginn gelten, da in diesem Zeitraum die meisten Schübe auftreten
Sevillano J et al. ACR Open Rheumatol 2026; 8: e90003; doi: 10.1002/acr2.90003