Hohe Krankheitslast und zu viele Glukokortikoide

Dermatomyositis in der realen Welt

Aus der Fachliteratur
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Krebsvorsorge ist bei Patientinnen und Patienten mit Dermatomyositis besonders wichtig. Am häufigsten werden Koloskopien und Mammografien wahrgenommen.

Muskelschwä­che und Erytheme sind die häufigsten Symptome der Dermatomyositis. Doch die Erkrankung wartet zusätzlich mit zahlreichen Organmanifesta­tionen und Komplikationen auf, wie Real-World-Daten unterstreichen.

Die meisten Studien zur Dermatomyositis nutzen Single-Center-Daten, die häufig aus dem universitären Kontext stammen. Um mehr über die Behandlung im Alltag und das Langzeitoutcome von Patientinnen und Patienten mit dieser Erkrankung herauszufinden, startete ein Team um Dr. Michael George von der University of Pennsylvania eine große retrospektive Analyse. Eingeschlossen in die Studie wurden über 3.600 Betroffene, die Daten stammten aus Versicherungsabrechnungen und einem Rheumatologienetzwerk.

Während der bis zu 18-monatigen Baseline-Periode und im zwölfmonatigen Follow-up wurden vor allem Untersuchungen zur Krebsvorsorge durchgeführt. Ein Drittel der Patientinnen und Patienten unterzog sich einer Koloskopie, zwei Drittel der Frauen bekamen eine Mammografie und bei über der Hälfte der Männer wurde ein PSA-Test vorgenommen. Die häufigsten diagnostischen Tests waren die Hautbiopsie und die Computertomografie des Thorax (beide 51,5 %). Lungenfunktionstests, EMG und Muskelbiopsie kamen seltener zum Einsatz (27,0 %, 25,1 % bzw. 11,7 %).

Ein Viertel der Betroffenen nahm länger als ein Jahr Glukokortikoide ein

Die meisten Patientinnen und Patienten erhielten Glukokortikoide (68,7 % in der Versichertenkohorte bzw. 73,8 % im Rheumatologienetz). Die Anfangsdosen lagen meist bei über 20 mg/d (36,0 % bzw. 58,9 %). Ein Viertel der Patientinnen und Patienten beider Kohorten nahm nach einem Jahr immer noch Glukokortikoide ein. Die häufigste Therapie war in beiden Kohorten Hydroxychloroquin (35,6 % bzw. 41,5 %), gefolgt von Methotrexat, Mycophenolat und Azathioprin. Intravenöse Immunglobuline bekamen 10,0 % der Betroffenen aus der Versichertenkohorte und 2,3 % derjenigen aus dem Rheumatologienetz, Rituximab 4,0 % bzw. 6,3 %. Andere Medikamente einschließlich JAK-Inhibitoren wurden selten verwendet.

Bei den Versicherungsdaten betrug die durchschnittliche Dauer des Follow-ups 862 Tage. Daraus berechneten die Forschenden die langfristigen Outcomes. So lag die Inzidenz der ersten Hospitalisierung unabhängig von der Ursache bei 92,2 pro 1.000 Personenjahre. Die Inzidenzen von Malignomen, interstitieller Lungenerkrankung, Myokarditis und dem Erhalt einer PEG-Sonde lagen bei 15, 6, 2 beziehungsweise 3 pro 1.000 Personenjahre.

George M et al. RMD Open 2026; 12: e006356; doi:10.1136/rmdopen-2025-006356

Dr. Sonja Kempinski

Dr. Sonja Kempinski ist als freie Autorin für die Medical Tribune und den Fachtitel Medical Tribune Rheumatologie/Schmerz sowie für verschiedene Gesundheitswebsites tätig. Ihre Spezialgebiete sind dabei die Rheumatologie und die Orthopädie, als ehemalige Chefredakteurin einer Zeitschrift für Allgemeinmediziner liegen ihr aber auch hausärztliche Themen am Herzen.

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