Epidemiologie zeigt Risikoprofile auf

Myopathien: Wer erkrankt wann und an welchem Subtyp?

European Congress of Rheumatology 2026
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
Die Unterschiede der Inzidenzen bei idiopathischen Mypathien werden auf Genetik, Umwelteinflüsse und Alter zurückgeführt.

Idiopathische inflammatorische Myopathien treten je nach Subtyp, Geschlecht, Alter und ethnischer Herkunft unterschiedlich häufig auf. Studiendaten zeigen markante epidemiologische Unterschiede und liefern neue Hinweise auf Risikofaktoren und mögliche Versorgungslücken.

Idiopathische inflammatorische Myopathien (IIM) sind heterogene Autoimmunerkrankungen mit erheblicher Krankheitslast. Wie sich die Subtypen hinsichtlich Inzidenz und Risikoprofil in verschiedenen Bevölkerungsgruppen verteilen, haben britische Forschende um Dr. ­Patrick ­Gordon vom King’s College in London in einer retrospektiven Studie untersucht. Grundlage waren Krankenhausdaten über einen Zeitraum von 19 Jahren (2002–2021). Insgesamt wurden 4.105 Personen mit neu diagnostizierter IIM identifiziert: 1.590 mit Dermatomyositis, 432 mit Einschlusskörpermyositis und 2.083 mit anderen IIM-Formen, darunter etwas mehr als die Hälfte Polymyositis.

Anstieg der Inzidenzen wird durch die alternde Bevölkerung erklärt

Die Inzidenz betrug 0,79 Fälle pro 100.000 Personenjahre für die Dermatomyositis, 0,50 für die Einschlusskörpermyositis und 1,03 für die übrigen IIM. Die jeweilige Punktprävalenz lag bei 0,015 %, 0,005 % und 0,016 %. Während die Zahl der Neuerkrankungen im Studienzeitraum zunahm, blieb die altersstandardisierte Inzidenz weitgehend konstant. Die Autorengruppe führt den beobachteten Anstieg daher vor allem auf den demografischen Wandel und die alternde Bevölkerung zurück. 

Auffällig waren die Unterschiede zwischen den Subtypen: Frauen erkrankten häufiger an Dermatomyositis und anderen IIM-Formen, während die Einschlusskörpermyositis erwartungsgemäß überwiegend Männer betraf. Auch das Erkrankungsalter variierte deutlich. Das mediane Alter bei Diagnosestellung lag bei gut 56 Jahren für die Dermatomyositis, bei 60 Jahren für die übrigen IIM und bei knapp 69 Jahren für die Einschlusskörpermyositis.

Dermatomyositis ist bei weißen Personen seltener

Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen. Menschen südasiatischer oder afrikanischer Herkunft hatten im Vergleich zu weißen Personen ein signifikant höheres Risiko für Dermatomyositis und andere Formen der inflammatorischen Myopathien. Für die Einschlusskörpermyositis zeigte sich dagegen eine niedrigere dokumentierte Inzidenz in sozial stärker benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Nach Einschätzung der Autorengruppe könnten diese Unterschiede sowohl auf genetische oder umweltbedingte Risikofaktoren als auch auf Ungleichheiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung und damit auf Abweichungen in der Diagnosestellung zurückzuführen sein. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Studien, um die Ursachen dieser Unterschiede aufzuklären und Versorgungslücken gezielt zu schließen.

Gordon P et al. EULAR Congress 2026; POS0262; doi: 10.1136/annrheumdis-2026-eular.B.263

Dr. Sonja Kempinski

Dr. Sonja Kempinski ist als freie Autorin für die Medical Tribune und den Fachtitel Medical Tribune Rheumatologie/Schmerz sowie für verschiedene Gesundheitswebsites tätig. Ihre Spezialgebiete sind dabei die Rheumatologie und die Orthopädie, als ehemalige Chefredakteurin einer Zeitschrift für Allgemeinmediziner liegen ihr aber auch hausärztliche Themen am Herzen.

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