Rätselhafte Gelenkschwellung

Wenn Fingerknacken krank macht

Aus der Fachliteratur
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Durch wiederholte mechanische Reizung wie Knacken der Fingergelenke kann es zu Mikrotraumata der proximalen Interphalangealgelenke kommen.

Dauerhaft geschwollene Fingergelenke ohne Schmerzen – was bei einem Zwölfjährigen zunächst an Arthritis denken ließ, entpuppte sich als Folgen einer schlechten Angewohnheit.

Hinter Schwellungen der proximalen Interphalangealgelenke (PIP) können allerhand Erkrankungen stecken. Manchmal ist das Problem allerdings hausgemacht, wie ein Fall aus der Abteilung für Pädiatrische Rheumatologie am Uniklinikum Basel zeigt. Dorthin wurde ein 12-jähriger Junge überwiesen, der schon seit mehr als drei Jahren an einer anhaltenden schmerzfreien Schwellung der PIP beider Hände litt. Es lagen weder Morgensteifigkeit noch Anzeichen einer Arthritis vor. Einzig die nervöse Persönlichkeitsstruktur des Patienten war auffällig: Der Junge hatte die Angewohnheit, mit den Fingerknöcheln zu knacken und die Hände zu reiben.

Keine Anzeichen für Erosionen

Bei der körperlichen Untersuchung ließen sich Schwellungen an den proximalen Interphalangeal­gelenken II-V beider Hände erkennen, schreiben ­Dr. Marc-­Alexander Oestreich und Dr. ­Florence Aeschlimann vom Uniklinikum Basel. Das PIP des Zeigefingers der rechten Hand wies zudem eine ringförmige Hypopigmentierung und eine Hyperkeratose auf. MRT und Röntgen bestätigten die Gewebeschwellung um die betroffenen Fingergelenke. Anzeichen für eine Arthritis oder Erosionen ließen sich in der Bildgebung nicht nachweisen. Dazu passte das unauffällige Blutbild und die normwertigen Entzündungsparameter. Aufgrund der Befunde diagnostizierten Dr. ­Oestreich und Dr. ­Aeschlimann eine Pachydermodaktylie. Therapeutisch empfahlen sie, das Fingerknacken zu unterlassen.

Vor allem Jungen betroffen

Die Pachydermodaktylie ist eine seltene Erkrankung, die vor allem bei heranwachsenden Jungen auftritt. Als Ursache werden Mikrotraumata vermutet, aufgrund derer sich eine benigne Fibromatose entwickelt. Begünstigt wird deren Entstehung durch wiederholte mechanische Reizung wie Knacken der Fingergelenke oder starkes Reiben. Auch psychiatrische Störungen stehen damit in Zusammenhang, wobei eventuelle Tics oder Gewohnheiten von den Betroffenen und deren Eltern oft nicht spontan erwähnt werden. Meistens reicht es aus, die auslösende Angewohnheit zu unterlassen. Manchmal ist aber ein therapeutisches Eingreifen nötig. Möglich sind Kortison­injektionen in die betroffenen Bereiche oder die operative Entfernung des fibrösen Gewebes.

Oestreich MA, Aeschlimann F. Ann Rheum Dis 2026; 85: 210-211; doi: 10.1016/j.ard.2025.08.019

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