Proteinurie bei Lupusnephritis kein perfekter Marker
Kurzfristige Erfolge bei der Behandlung einer Lupusnephritis garantieren nicht, dass die Nierenfunktion längerfristig erhalten bleibt. Es gilt, auch bei Abnahme einer Proteinurie wachsam zu sein.
Wie bei der Lupusnephritis (LN) die langfristigen Verläufe der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) mit frühen Proteinurieverläufen zusammenhängen, wurde von einer Gruppe um Wei Ning, Zhengzhou University, in einer retrospektiven Kohortenstudie untersucht. Eingeschlossen waren 215 Patientinnen und Patienten mit Lupusnephritis Klasse III–IV, bei denen ab dem Zeitpunkt der ersten Nierenbiopsie eGFR und Proteinurie über mehrere Jahre hinweg kontrolliert worden waren. Es zeigten sich drei verschiedene langfristige Verläufe der eGFR:
Bei 88 % der Betroffenen blieb die Nierenfunktion stabil,
bei 7 % wurde sie nach Jahren schlechter und
5 % wiesen von Anfang an einen kontinuierlichen Verlust der Nierenfunktion auf.
Dabei hatten diejenigen mit dauerhaftem Funktionsverlust einen höheren Chronicity-Index (also mehr irreversible Vernarbungen im Nierenbiopsat) und höhere Kreatininwerte bei der Basisuntersuchung. Patientinnen und Patienten mit einem späten Verlust wiesen häufiger Proteinurieschübe auf im Gegensatz zu den stabilen Betroffenen.
Auch die Proteinurie zeigte drei Verlaufsmuster: Bei 82 % der Studienteilnehmenden war sie zu Beginn niedrig und ging weiter zurück, bei 11 % war sie anfangs hoch und nahm dann ab. 7 % der Betroffenen wiesen von Anfang an eine hohe Proteinurie auf, die im Verlauf noch weiter anstieg.
Schlechtes Outcome bei persistierender Proteinurie
Die Analyse der eGFR- und Proteinurieverläufe ergab, dass eine persistierende Proteinurie mit einem stark erhöhten Risiko für einen eGFR-Abfall einherging, schreibt das Autorenteam. Ebenfalls wenig überraschend war, dass eine zunächst geringe und weiter abnehmende Proteinurie meist ein gutes Outcome hatte.
Die schnelle Abnahme einer ausgeprägten Proteinurie war jedoch kein Garant für einen guten Verlauf: Von den 48 % der Studienteilnehmenden, die innerhalb von zwölf Monaten eine Remission erreichten, entwickelten 38 % langfristig doch eine eGFR-Verschlechterung. Für eine bessere Risikostratifizierung beim Management der LN sind ihrer Meinung nach robustere Biomarker unerlässlich.
Ning W et al. Lupus Sci Med 2026; 13: e001745; doi: 10.1136/lupus-2025-001745