Morbus Crohn: Risiko für axSpA achtfach erhöht
Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen steigt das Risiko für eine Spondyloarthritis. Umgekehrt ist eine Spondyloarthritis bereits in den Jahren vor einer CED-Diagnose häufiger. Besonders eng ist der Zusammenhang mit der axialen Spondyloarthritis.
In welchem zeitlichen Zusammenhang die Diagnosen von chronisch entzündlicher Darmerkrankung und Spondyloarthritis stehen, untersuchte ein Autorenteam um Dr. Manasi Agrawal, Aalborg Universität Kopenhagen anhand einer populationsbasierte Kohortenstudie mit 102.648 Personen. Von den Studienteilnehmenden hatten 17.108 eine CED, davon 5.043 Morbus Crohn und 12.065 Colitis ulcerosa.
In den acht Jahren vor der CED-Diagnose war die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer SpA gegenüber gematchten Kontrollen fast verdoppelt (adjustierte Odds Ratio, aOR 1,95). Für Morbus Crohn lag die aOR bei 2,84, für Colitis ulcerosa bei 1,61. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang mit axialer SpA: Bei späterer CED-Diagnose betrug die aOR 4,65, im Falle eines Morbus Crohn sogar 11,49.
Spondyloarthritis-Diagnosen waren im Jahr vor der CED-Diagnose und zwei Jahre danach am häufigsten
Auch nach der CED-Diagnose blieb das SpA-Risiko erhöht. Innerhalb von acht Jahren lag die adjustierte Hazard Ratio (aHR) für eine neu diagnostizierte SpA bei 2,51 gegenüber den Kontrollen. Bei Crohn-Patientinnen und -Patienten betrug sie 3,17, wenn eine Colitis ulcerosa vorlag 2,24. Insgesamt wurde für eine axiale SpA nach Morbus Crohn mit einer aHR von 8,28 der stärkste Zusammenhang beobachtet. Die SpA-Diagnosen nahmen insbesondere im Jahr vor bis zwei Jahre nach der CED-Diagnose zu und flachten anschließend ab.
Die Ergebnisse sind unter anderem wichtig für die Früherkennung, schlussfolgert die Autorengruppe. Bei Patientinnen und Patienten mit SpA sollte insbesondere auf gastrointestinale Symptome geachtet und bei entsprechender Indikation eine weitere Abklärung erwogen werden, etwa mittels fäkalem Calprotectin. Umgekehrt sollten bei CED muskuloskelettale Beschwerden gezielt erfragt werden. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass trotz teilweise hoher relativer Risiken die absolute Zahl der SpA-Ereignisse gering und damit das absolute Risiko wahrscheinlich nicht sehr hoch ist.
Agrawal M et al. Arthritis & Rheumatology 2026; 78: 1666–1673; doi: 10.1002/art.70095
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