Neuer Antikörper bereichert die Therapie bei Lupusnephritis
Die aktive Lupusnephritis erfordert eine schnelle und wirkungsvolle Therapie. Ein Typ-2-CD20-Antikörper scheint ein vielversprechender Kandidat in puncto Remissionsinduktion zu sein.
Bei der Lupusnephritis hat die komplette Remission ein deutlich besseres Outcome bezüglich der Überlebensrate als das partielle Ansprechen. Doch nur ein Drittel der Patientinnen und Patienten mit Lupusnephritis erreicht unter Standardtherapie nach zwölf Monaten das Therapieziel (siehe Kasten), betonte Dr. Johanna Mucke, Universitätsklinikum Düsseldorf. „Wir brauchen mehr und andere Substanzen“, forderte die Expertin. Eine davon könnte Obinutuzumab sein.
Betroffene mit einer Proteinurie über 3 g/g profitieren besonders stark
Dieser Typ-2-CD20-Antikörper führt über verschiedene Mechanismen zu einer besonders effektiven B-Zell-Depletion. Im REGENCY-Trial erreichten 46 % der Patientinnen und Patienten unter Obinutuzumab in Woche 76 eine renale Remission, unter Placebo waren dies 33 %. Damit lag die Erfolgsrate deutlich über derjenigen unter Standardtherapie, so Dr. Mucke. Schaut man sich die Analyse der Subgruppen an, wird der Effekt noch besser. Betroffene mit einer Proteinurie > 3 g/g oder mit einer begleitenden Klasse-V-Lupusnephritis profitierten ganz besonders von dem Antikörper. „Das ist extrem erfreulich, weil wir für diese Patientinnen und Patienten bisher nur wenig gute Daten hatten“, so Dr. Mucke.
Therapieziele bei der Lupusnephritis
3 Monate: ≥ 25%ige Verbesserung der Urin-Protein-Kreatin-Ratio (UPCR)
6 Monate: ≥ 50%ige Verbesserung der UPCR6 Monate: UPCR ≤ 0,7 g/g
6 Monate: UPCR ≤ 0,7 g/g
In puncto Sicherheit muss man unter Obinutuzumab auf schwere Infektionen achten (15 % vs. 7 % unter Placebo). Auch kommt es öfter zu Neutropenien, die allerdings meist reversibel sind und nur selten einen Abbruch der Therapie erfordern (13 % vs. 4 %). Auf Basis dieser Ergebnisse bekam Obinutuzumab Ende 2025 die Zulassung zur Behandlung der aktiven Lupusnephritis Klasse III oder IV mit oder ohne begleitende Klasse V, immer in Kombination mit Mycophenolat-Mofetil (MMF). Diesbezüglich hat die EULAR auch ihre Empfehlungen angepasst. Neu ist, dass die Therapie nicht mehr primär nach Histologie, sondern nach Aktivitätsstatus (aktiv vs. nicht aktiv) differenziert wird. Die aktive Lupusnephritis soll laut EULAR von vornherein mit einer Kombination behandelt werden. Möglich sind:
MMF oder niedrig dosiertes Cyclophosphamid und Belimumab
MMF und Calcineurininhibitor
MMF und Obinutuzumab
Dieses frühe und intensive Vorgehen ermöglicht es, die 15 % Plus an Remissionsrate noch rauszuholen, betonte Dr. Mucke. Die Therapie sollte über drei Jahre fortgesetzt und frühestens dann langsam ausgeschlichen werden.
Niere zusätzlich mit SGLT2-Hemmern schützen
Man dürfe allerdings nicht den Fehler machen, eine verbleibende Damage-Albuminurie durch immer stärkere Immunsuppression zu behandeln, ergänzte Prof. Dr. Elisabeth Märker-Herrmann. In diesen Fällen sei die supportive Therapie mit ACE-Inhibitoren und SGLT2-Hemmern von zentraler Bedeutung. Dem stimmte Dr. Mucke zu: „Die Nephroprotektion mit SGLT2-Hemmern wird inzwischen bei allen Patientinnen und Patienten mit Lupusnephritis empfohlen, weil sie eine chronische Nierenerkrankung haben und damit auch in der Indikation sind.“